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Zölle auf Medizinprodukte und ihre Auswirkungen

12. August 2025 Leitfaden zur Auswahl digitaler Tools Sprechen Sie mit PTC: Resilienz aufbauen

Rene Zölfl, Global Industry Advisor Life Science, unterstützt Life Science-Unternehmen bei ihrer Transformation hin zu mehr Agilität durch Industrie 4.0 und Digitalisierung. Er hat den Life Science-Markt bei PTC in Deutschland aufgebaut. Aufgrund seiner Erfahrung hat er ein tiefes Verständnis dafür, wie neue Technologien die digitale Transformation unterstützen, wie Hersteller von der Digitalisierung in verschiedenen Prozessbereichen profitieren können und wie sich Vorschriften auf diesen Wandel auswirken. Als Vorsitzender des PTC Healthcare Executive Advisory Council organisiert und leitet Rene gemeinsame Workshops mit PTCs strategischsten Life-Science-Kunden und PTC-Führungskräften zu Themen und Anforderungen der Branche. 

René ist Mitglied der ISPE und arbeitet in der Special Interest Group "Pharma 4.0" mit. Er hat auch als Co-Autor zum acatech Industrie 4.0 Maturity Index beigetragen, der im März 2017 veröffentlicht wurde. 

René kam im Oktober 2010 zu PTC. Vor seiner Tätigkeit bei PTC war er in verschiedenen Positionen in den Bereichen Consulting, Portfolio Management und Marketing bei Siemens tätig.

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Die globale MedTech-Branche arbeitet mit Hochdruck an lebensrettenden Innovationen, doch eine Welle von Zöllen droht, diese Dynamik zu bremsen. Durch US-Einfuhrzölle auf medizinische Geräte und Komponenten aus wichtigen Handelspartnern wie China, Mexiko und der EU, die auf bis zu 54% steigen, sind die Geschäftskosten in die Höhe geschossen. Für MedTech-Unternehmen ist dies nicht nur eine wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine Belastungsprobe mit weitreichenden Folgen für den Zugang zur Gesundheitsversorgung, die Behandlungsergebnisse und die Zukunft der Innovation. 

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Die Herstellungskosten für kritische Technologien wie Operationsroboter und Bildgebungssysteme sind um schätzungsweise 2.000 bis 8.000 US-Dollar pro Gerät gestiegen.
  • Die globalen Lieferketten sind angespannt, da selbst in den USA hergestellte Geräte zu 50 bis 80% aus importierten Komponenten bestehen, die nun mit Zöllen belegt sind.
  • Die Branche ist gespalten: Einige Unternehmen nehmen die Kosten auf sich, während andere sie weitergeben oder Innovationen verzögern.
  • MedTech-Unternehmen reagieren darauf mit einer Rückverlagerung der Produktion, einer Diversifizierung ihrer Lieferanten und Investitionen in digitale Tools, um Compliance und Agilität zu gewährleisten.
  • Digitale Transformationstools wie PLM und ALM helfen MedTech-Unternehmen, sich schnell anzupassen und trotz der Handelsvolatilität die Compliance aufrechtzuerhalten.

Wie sehen die neuen Zölle für Medizinprodukte im Jahr 2025 aus?

Im Jahr 2025 führten die Vereinigten Staaten im Rahmen einer umfassenden Strategie zur Neuausrichtung des Handels eine Reihe weitreichender Zölle ein, die medizinische Geräte und deren Komponenten betreffen. Diese Zölle variieren je nach Land und Produktkategorie und haben folgende Hauptsätze:

  • Allgemeiner Grundzollsatz: Für die meisten importierten medizinischen Geräte und Komponenten gilt nun ein Zollsatz von 10%, unabhängig von ihrer Herkunft.
  • Länderspezifische Zölle:
    • Mexiko: Importe von Medizintechnik aus Mexiko unterliegen einem Zoll von 25%, wenn sie nicht den USMCA-Anforderungen entsprechen. USMCA-konforme Waren bleiben jedoch zollfrei.
    • China: Medizinprodukte und -komponenten aus China unterliegen einem Zoll von 54%, der einen Grundzoll von 10% sowie zusätzliche Strafzölle im Rahmen von Strafmaßnahmen umfasst. Für bestimmte Produkte, wie Spritzen und Nadeln, können die effektiven Zölle aufgrund sich überschneidender Zölle gemäß Section 301 und IEEPA 100% übersteigen.
    • Taiwan: Importe aus Taiwan unterliegen im Allgemeinen einem Zoll von 10% auf Medizintechnik. Es gibt keine zusätzlichen Strafzölle, und in Einzelfällen können Ausnahmen gelten.
    • Europäische Union (EU): Importe von Medizinprodukten aus der EU unterliegen nun einem Zoll von 20%, was eine erhebliche Erhöhung gegenüber dem bisherigen Zoll von nahezu null darstellt. Dieser Zoll gilt allgemein für Medizinprodukte und zugehörige Komponenten.

Diese Zölle sind Teil einer umfassenderen Politik der USA, die darauf abzielt, wichtige Produktionszweige zurück in die USA zu verlagern, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten zu verringern und Handelsungleichgewichte zu beseitigen. Während einige der höheren Zölle vorübergehend für 90 Tage ausgesetzt sind, ist der Basis-Zollsatz von 10% bereits in Kraft und wirkt sich auf die Branche aus.

Wie wirken sich die neuen Zölle auf die Kosten für medizinische Geräte und Patienten aus?

Allein für das Jahr 2025 rechnen führende MedTech-Unternehmen mit Zoll-Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar. Diese steigenden Kosten sind nicht nur Zahlen in der Bilanz, sondern wirken sich direkt auf die Preise für wichtige Technologien wie Operationsroboter, Diagnosetools und Bildgebungssysteme aus. So erhöhen die Zölle beispielsweise die Herstellungskosten pro Gerät um schätzungsweise 2.000 bis 8.000 US-Dollar.

Da medizinische Geräte in einem streng regulierten Umfeld eingesetzt werden, können Unternehmen diese Kosten nicht einfach an ihre Kunden weitergeben. Die Folge sind sinkende Margen, verzögerte Innovationen und potenzielle Engpässe bei kritischen Geräten – was letztlich alles den Patienten zu schaffen macht.

Wie beeinträchtigen Zölle die globale Lieferkette?

MedTech ist eine der weltweit am stärksten vernetzten Branchen. Selbst Produkte mit der Bezeichnung „Made in the USA“ bestehen oft zu 50–80% aus importierten Komponenten. Zölle stören dieses empfindliche Ökosystem und zwingen Unternehmen dazu, ihre Beschaffungsstrategien zu überdenken, Lieferanten neu zu qualifizieren und sich in einem Netz von Compliance-Herausforderungen zurechtzufinden.

In Europa, dem zweitgrößten MedTech-Markt nach den USA, stehen Unternehmen vor ähnlichen Herausforderungen. Zölle auf Exporte in die USA und importierte Komponenten treiben die Kosten in die Höhe und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit. Viele Unternehmen haben bereits erhebliche Einbußen bei ihren Betriebserträgen aufgrund der US-Handelspolitik gemeldet.

Medizinprodukt-Zölle in Wachstumschancen verwandeln

Die Zollsituation bleibt zwar unvorhersehbar, bietet aber auch Chancen für Veränderungen. Vorausschauende MedTech-Unternehmen nutzen diese Umwälzungen, um langfristige Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Die Branche orientiert sich zunehmend an Strategien, die Herausforderungen in Vorteile verwandeln:

  • Nutzen Sie digitale Agilität: Tools wie Produktlebenszyklusmanagement (PLM), Risiko- und Testmanagement (ALM) und Servicelebenszyklusmanagement (SLM) helfen Teams, sich schnell an Änderungen bei Lieferanten anzupassen.
    • PLM verbindet Entwicklung, Qualität, Regulierung und Fertigung, ermöglicht eine schnellere Anpassung an lokale Produktionsanforderungen und vermeidet kostspielige Änderungen in späten Phasen. Es unterstützt Strategien wie „Design anywhere, build anywhere“ und hilft bei der Verwaltung werksspezifischer Konfigurationen.
    • ALM gewährleistet die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Anforderungen, Risiken und Testfällen und reduziert so den Aufwand und das Risiko einer Neuzertifizierung bei der Einbindung neuer Lieferanten oder der Verlagerung der Produktion. Außerdem unterstützt es die teamübergreifende Kollaboration in Echtzeit, um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen.
    • Service Lifecycle Management (SLM) hilft bei der Optimierung der Servicevorgänge nach der Markteinführung, gewährleistet die Verfügbarkeit und senkt die Kosten für die Wartung von Geräten, die von Zoll-bedingten Änderungen in der Lieferkette betroffen sind, und verbessert die Verfügbarkeit von Ersatzteilen.
  • Nutzen Sie Automatisierung und Optimierung: KI-gestützte Analysen und vernetzte Systeme verkürzen Produktionszyklen, verbessern die Rückverfolgbarkeit und senken Kosten – entscheidende Faktoren in einer risikoreichen, stark regulierten Branche.

 

 

Wie PTC-Lösungen MedTech-Unternehmen bei der Handhabung von Zöllen unterstützen

Die intelligenten MedTech-Lifecycle-Lösungen von PTC sind einzigartig positioniert, um MedTech-Unternehmen dabei zu unterstützen, sich in dieser neuen Ära komplexer Handelsbeziehungen zurechtzufinden. Durch die Beschleunigung der Markteinführung, die Gewährleistung der Compliance in sich wandelnden Lieferketten und die Ermöglichung lokalisierter Fertigungsstrategien versetzt PTC Teams in die Lage, agil und sicher zu reagieren. In einer Welt, in der Zölle nicht mehr nur eine vorübergehende Unannehmlichkeit, sondern eine strategische Herausforderung sind, ist operative Effizienz zu einer Lebensader geworden.

Der Weg in die Zukunft: Aufbau der Widerstandsfähigkeit der MedTech Branche

Zölle verändern die MedTech-Branche, müssen jedoch weder Innovationen noch die Patientenversorgung beeinträchtigen. Mit den richtigen Strategien, die auf digitaler Transformation und operativer Resilienz basieren, können Unternehmen disruptive Veränderungen in Wettbewerbsvorteile verwandeln. Durch die Anpassung an diese neuen Gegebenheiten können führende Unternehmen der MedTech-Branche sicherstellen, dass lebensrettende Technologien die Menschen erreichen, die sie benötigen – unabhängig davon, wie turbulent die Handelswinde auch wehen mögen.

Häufig gestellte Fragen

Welche medizinischen Geräte sind von den Zöllen betroffen?

Die Zölle gelten für eine Vielzahl von Medizintechnologien, darunter:

  • Diagnostische Bildgebungssysteme (z. B. MRT, CT-Scanner)
  • Chirurgische Roboter und Instrumente
  • Implantierbare Geräte (z. B. Herzschrittmacher, Stents)
  • Elektronische Komponenten und Sensoren
  • Sterilisations- und Verpackungsmaterialien

Selbst in den USA gefertigte Geräte sind aufgrund ihrer Abhängigkeit von importierten Bauteilen betroffen.

Gibt es Ausnahmen bei den Zöllen auf Medizinprodukte?

Für Produkte, die als kritisch für die öffentliche Gesundheit oder die nationale Sicherheit angesehen werden, gibt es einige Ausnahmen. Diese sind jedoch begrenzt und erfordern, dass Unternehmen einen Antrag beim US-Handelsbeauftragten (USTR) stellen. Die meisten MedTech-Unternehmen müssen nach wie vor erhebliche Zoll-bedingte Kosten tragen.

Warum werden Zölle auf medizinische Geräte erhoben?

Zölle sind Teil umfassenderer Handelsstrategien, die darauf abzielen:

  • Verringerung der Abhängigkeit von ausländischer Fertigung
  • Förderung der heimischen Produktion (Reshoring)
  • Beseitigung von Handelsungleichgewichten und Bedenken hinsichtlich des geistigen Eigentums

Diese Maßnahmen sollten zwar die nationalen Lieferketten stärken, haben jedoch neue Kosten und Compliance-Herausforderungen für MedTech-Unternehmen mit sich gebracht.

Was versteht man unter Reshoring in der Fertigung medizinischer Geräte?

Reshoring bezeichnet den Prozess der Rückverlagerung von Produktionsstätten zurück in die USA oder näher an die Endmärkte. Als Reaktion auf Zoll und Störungen der globalen Lieferketten reagieren viele MedTech-Unternehmen wie folgt:

  • Investitionen in Produktionsstätten in den USA
  • Diversifizierung der Lieferanten über mehrere Regionen hinweg
  • Nutzung digitaler Tools zur Beschleunigung der lokalen Compliance und Produktionsbereitschaft
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René Zölfl

Rene Zölfl, Global Industry Advisor Life Science, unterstützt Life Science-Unternehmen bei ihrer Transformation hin zu mehr Agilität durch Industrie 4.0 und Digitalisierung. Er hat den Life Science-Markt bei PTC in Deutschland aufgebaut. Aufgrund seiner Erfahrung hat er ein tiefes Verständnis dafür, wie neue Technologien die digitale Transformation unterstützen, wie Hersteller von der Digitalisierung in verschiedenen Prozessbereichen profitieren können und wie sich Vorschriften auf diesen Wandel auswirken. Als Vorsitzender des PTC Healthcare Executive Advisory Council organisiert und leitet Rene gemeinsame Workshops mit PTCs strategischsten Life-Science-Kunden und PTC-Führungskräften zu Themen und Anforderungen der Branche. 

René ist Mitglied der ISPE und arbeitet in der Special Interest Group "Pharma 4.0" mit. Er hat auch als Co-Autor zum acatech Industrie 4.0 Maturity Index beigetragen, der im März 2017 veröffentlicht wurde. 

René kam im Oktober 2010 zu PTC. Vor seiner Tätigkeit bei PTC war er in verschiedenen Positionen in den Bereichen Consulting, Portfolio Management und Marketing bei Siemens tätig.

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