Herausforderungen

In einer äußerst komplexen Lieferkette in der Luft- und Raumfahrt, die durch massive und unübersichtliche Teilevolumina mit langen Vorlaufzeiten erschwert wird, in Verbindung mit einer extrem hohen Servicevorgabe für Verträge im Rüstungsbereich, benötigte Boeing eine flexible Lösung für das Ersatzteilmanagement im Unternehmen. Diese Lösung sollte auf Basis fortschrittlicher Datenanalysen arbeiten.

 

Boeing hat eine lange Tradition in der Luft- und Raumfahrt und ist in Sachen Innovation führend


 

In der Luft- und Raumfahrt- sowie in der Rüstungsbranche muss man sich auf das Unerwartete einstellen. Bei Flugzeugen, die aus Hunderttausenden von Teilen bestehen, ist die Bereitstellung der richtigen Teile zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und zwar schnell und präzise – nicht einfach. Erfahren Sie, wie ein führendes Unternehmen im Bereich A&D seine Lieferkette für Ersatzteile mit Hilfe einer langjährigen Partnerschaft und modernster Technologie neu gestaltet hat.

 

Wenn Sie jemals in einem Flugzeug geflogen sind, Militärmaschinen beobachtet oder einfach nur in den Himmel geschaut haben, haben Sie die Arbeit von Boeing wahrscheinlich schon in Aktion gesehen. Boeing ist das größte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt und führender Hersteller von Verkehrsflugzeugen, Rüstungs-, Raumfahrt- und Sicherheitssystemen sowie ein führender Anbieter im Bereich After-Market-Support.

Einer der wichtigsten Grundpfeiler des langjährigen Erfolgs von Boeing ist der Service. Boeing Global Services (BGS) ist ein dedizierter Geschäftsbereich für Serviceleistungen. Er konzentriert sich auf den Aftermarket-Service für globale Kunden aus den Bereichen Rüstung, Raumfahrt und Wirtschaft. BGS hat seinen Hauptsitz in der Nähe von Dallas, Texas, und beschäftigt 23.500 Mitarbeiter an mehr als 300 Standorten in 70 Ländern.

Von der Entwicklung und dem Lieferkettenmanagement bis hin zu Schulungsdienstleistungen und dem Kundensupport setzt BGS Innovationen und modernste Technologien ein. So wird ein effizienter Betrieb der Flugzeuge seiner Kunden gewährleistet und die Einsatzfähigkeit in Nationen auf der ganzen Welt sichergestellt.


Die Rüstungsbranche erfordert einen schnellen Service und Teileaustausch

Es versteht sich von selbst, dass die Verfügbarkeit von Flugzeugen und die operative Leistung in der Rüstungsbranche von entscheidender Bedeutung sind. Dies ist jedoch nicht ohne Herausforderungen zu erreichen. BGS unterstützt Programme wie die C-17 und F-22 der US-Luftwaffe und das APACHE-Programm der US-Army. Diese Programme erfordern eine kompromisslose Verfügbarkeit der Ausrüstung und operative Spitzenleistungen. „Unsere Serviceverträge für den Aftermarket sind kundenspezifisch und auf die Anforderungen an die Ersatzteilverfügbarkeit abgestimmt“, sagt Debbie Belmer, Senior Manager, Supply Chain Enablement bei BGS. „Es ist entscheidend, dass wir die richtigen Teile zur richtigen Zeit im richtigen Lager haben. Nur so können wie die geschäftskritischen Abläufe unserer Kunden gewährleisten.“

Diesen hohen Serviceanspruch für jeden einzelnen Kunden zu erfüllen, ist eine Herausforderung. Diese wird durch die hohe Komplexität der Lieferkette in der Luft- und Raumfahrt noch schwieriger. Zum einen benötigen Kunden aus der Rüstungsbranche Flugzeuge in erstklassigem Zustand, um auf extrem variable Situationen wie Naturkatastrophen und eskalierende Konflikte reagieren zu können, die mitunter ohne Vorwarnung eintreten. Darüber hinaus gibt es ein riesiges Volumen an Einzelteilen mit individuellen Bezugsquellen. Dies schafft zusätzliche Herausforderungen für das Management zahlreicher Flugzeugmodelle, die jeweils aus Hunderttausenden von Teilen bestehen.

boeing Ebenfalls üblich sind lange Vorlaufzeiten für den Austausch von Teilen, insbesondere für seltene Teile, deren Beschaffung teilweise mehr als ein Jahr dauert, was zu einem Flugverbot führen und große finanzielle Verluste verursachen kann. Ältere Flugzeuge stellen auch das Ersatzteilmanagement vor besondere Herausforderungen. Das Alter einiger zu wartender Flugzeuge beträgt 30 bis 50 Jahre. Je älter ein Flugzeug ist, desto mehr Ersatzteile werden benötigt. Dies erhöht die ohnehin schon beträchtliche Menge und Komplexität der Daten für ein bestimmtes Modell. Die B-52 Stratofortress wurde zum Beispiel zuletzt 1962 gebaut. Da sich einzelne Teile im Laufe der Zeit verändert und weiterentwickelt haben, kann es vorkommen, dass ein Teil aus einem Flugzeug nicht mehr mit dem gleichen Teil für ein anderes Flugzeug übereinstimmt. Der Ersatz eines solchen Teils mit der exakten Passform und Funktion, der für eine schnelle Wiederaufnahme des Flugbetriebs erforderlich ist, gestaltet sich so noch komplexer.

Erschwerend kam hinzu, dass nicht alle internen Geschäftsbereiche von Boeing die gleiche Software für das Ersatzteilmanagement verwendeten, was zu isolierten Lösungen für Serviceprobleme ohne eine unternehmensweite Perspektive führte. Angesichts dessen erkannte BGS eine klare Möglichkeit zur Verbesserung der operativen Effizienz durch die Standardisierung auf eine Technologie für das Ersatzteilmanagement, die auf die Maximierung der Ausrüstungsverfügbarkeit für alle Kunden von BGS abgestimmt ist. Um dies zu erreichen, musste eine flexible Lösung für das Ersatzteilmanagement im Unternehmen gefunden werden – eine Lösung, die das Innovationstempo auf Basis einer fortschrittlichen Datenverarbeitung steuert und dazu beiträgt, dass alle Geschäftsbereiche gemeinsam mit einem einheitlichen Unternehmensstandard arbeiten.

 


Dank seines präzisen Fokus wird Servigistics zum Spitzenreiter in der Ersatzteiloptimierung

Die Verwaltung eines Bestands, der so vielfältig und umfangreich ist wie der von BGS, war, ebenso wie die Erstellung einer Roadmap für die Implementierung einer neuen, unternehmensweiten Lösung, keine leichte Aufgabe. „Die Geschäftsbereiche stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen, sodass es ziemlich schwierig ist, ein Standardangebot zu finden“, sagt Scott McKelvey, Program Manager bei BGS. Boeing wandte sich an seinen langjährigen Consulting-Partner Capgemini, um die optimale Lösung für das Management der komplexen Lieferkettenlogistik für den Aftermarket-Service zu finden, und führte eine umfassende Analyse durch.

Eine der untersuchten Optionen war Servigistics – ein hoch entwickeltes, speziell für das Unternehmen konzipiertes Tool zur Optimierung von Ersatzteilen und zur Entscheidungsfindung. Die Lösung versprach, die höchsten Servicelevels mit den niedrigsten Bestandskosten zu erzielen. BGS wäre damit in der Lage, seine Kundenverpflichtungen zu erfüllen, ohne zu viel Geld für unnötige Bestände auszugeben. Daher sah die Lösung vielversprechend aus.

Als wir den POC für Servigistics durchführten, stellten wir fest, dass die Lösung im Vergleich zu anderer Software genauer war und höhere Servicelevels mit weniger Beständen erreichte.

~ Debbie Belmer, Senior Manager, Supply Chain Enablement, Boeing Global Services

 

BGS und Capgemini wollten herausfinden, ob eine einzige Technologie flexibel genug ist, um sowohl die Anforderungen der kommerziellen Luftfahrt als auch die der Rüstungsbranche zu unterstützen. Daher startete das Unternehmen einen Proof of Concept (POC), um die Leistungsfähigkeit der verfügbaren Technologien zu testen.

Während der intensiven Tests wurden mehrere Softwareangebote für die Serviceplanung und Bestandsoptimierung geprüft. Servigistics lieferte mit genauen Bedarfsprognosen und einer hoch entwickelten Bestandsoptimierung die überzeugendsten Testergebnisse. „Im Rahmen des POCs für Servigistics stellten wir fest, dass die Lösung genauer war und höhere Servicelevels mit weniger Beständen produzierte als andere Software“, sagt Belmer.

„Noch besser war: Es war die einzige Lösung, die für die Anforderungen der Rüstungsbranche und der kommerziellen Luftfahrt flexibel genug war.“ Aufgrund der POC-Ergebnisse entschied sich das Team für Servigistics. Angesichts der unmittelbar spürbaren operativen Verbesserungen besteht kein Zweifel, dass dies die richtige Entscheidung war. „Jeder Servicevertrag, bei dem wir Servigistics implementiert haben, zeigte unmittelbar eine Verbesserung der Bestandsplanung“, fügt McKelvey hinzu.

BGS und Capgemini arbeiten seit Langem zusammen

Die gemeinsame Arbeit von BGS und Capgemini im Rahmen des Projektes zum Ersatzteilmanagement lag auf der Hand, da die beiden Unternehmen bereits seit fast einem Jahrzehnt an gemeinsamen Projekten arbeiten. Eines der ersten Projekte, eine Initiative namens „12 Week SCM Assessment“, legte den Grundstein für den Erfolg. Es etablierte Best-Practices für das Change-Management und die strategische Planung. Über diese Best-Practices wurde schließlich Servigistics als bevorzugte Lösung für die Bestandsplanung ausgewählt.

12 Wochen lang kamen jeden Tag Supply-Chain-Experten aus jedem der fünf großen, länderübergreifenden Standorte von BGS zusammen. Das Ziel war die Festlegung von Benchmarks und die Erstellung einer Konzeption für die Aftermarket-Services im staatlichen Bereich. Durch eine detaillierte Untersuchung der Mitarbeiter, Prozesse und Tools – und der Frage, wie diese effizienter gestaltet werden können – fand das Team heraus, dass ein detaillierter, strategischer Ansatz für die Lieferkette und die Aftermarket-Services unternehmensweit zu erheblichen Mehrwerten führen kann. In einem „Two-in-a-Box“-Ansatz haben die Verantwortlichen von BGS und Capgemini dieses Konzept konsequent genutzt, um die Organisationsstruktur, die Aufgaben der Kernteams, die Betriebsplanung sowie neue und alte Tools zu bewerten.

Für BGS haben sich die Investitionen gelohnt. „Capgemini bietet mehr als andere Berater, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Die Mitarbeiter und die Art und Weise, wie sie mit uns interagieren, sind besser“, sagt McKelvey. „Wie sie den Job erledigen, ist entscheidend“, fährt er fort. „Dieses Two-in-a-Box-Konzept und die Arbeit gemeinsam zu schultern, gestalten das Projekt erfolgreich.“

 
Eine langjährige Partnerschaft mit Capgemini schafft neue Möglichkeiten der Wertschöpfung

Jetzt, wo Servigistics im Einsatz ist, kann BGS bessere Entscheidungen für Bestandsinvestitionen treffen und sich dabei auf die Prognosen verlassen. Das Unternehmen ist außerdem in der Lage, bei gleichem oder reduziertem Bestand das verfügbare Servicelevel zu erhöhen – ein Ergebnis, von dem sowohl die Kunden als auch der Gewinn von BGS profitieren.

Eine Herausforderung für die Lieferkette bestand jedoch darin, dass BGS die Auftragsabwicklung von Standort zu Standort unterschiedlich handhabte. Da die Vertragsbedingungen für jeden Kunden unterschiedlich waren, fehlte es an konsistenten Datensätzen für die verschiedenen Verträge und die einzelnen Servicestandorte, was die Komplexität in einer ohnehin schon schwierigen Datenumgebung noch erhöhte.

Um dieses Problem zu beheben, wandte sich das Unternehmen an seine Arbeitsgruppe für die Nachfrage- und Angebotsplanung, die im Rahmen des Projekts „12 Week SCM Assessment“ mit Capgemini gebildet wurde. Dieses Team sollte mit der Implementierung eines Planning Data Layers (PDL) beginnen, um Servigistics besser nutzen zu können. Der PDL ist eine wichtige Komponente einer Unternehmensdatenstrategie, die eine zentrale Quelle zur Sammlung und Standardisierung verschiedener Kunden-, Partner- und Geschäftseinheitsdaten ermöglicht. „Eines unserer Ziele im Rahmen des Planning Data Layers besteht darin, diesen für die Vielzahl der vorgelagerten Dateninputs fit zu machen, sodass nachgelagerte Supply-Chain-Planungsentscheidungen mit weniger Anpassungen unterstützt werden können“, erklärt McKelvey. Da qualitativ hochwertige Daten für die Verbesserung der Wertschöpfung in der gesamten Lieferkette von größter Bedeutung sind, wird die Implementierung von PDL der Servigistics-Lösung bei der Nutzung von Daten und genaueren Prognosen helfen. Darüber hinaus wird das Team ältere Tools und Systeme konsolidieren können, was letztendlich zu einer Kostenreduzierung und einer Beschleunigung der gesamten Wartungszeiten führt – ganz zu schweigen von der Verbesserung der Kundenzufriedenheit.

„Eines unserer Ziele mit dem Planning Data Layer ist es, diesen hinsichtlich der Vielzahl der vorgelagerten Dateninputs zuverlässig zu gestalten, damit die nachgelagerten Supply-Chain-Planungsentscheidungen mit weniger Anpassungen unterstützt werden können.“

~ Scott McKelvey, Program Manager, Boeing Global Services

  
BGS und seine Partner arbeiten an der digitalen Entwicklung

Der PDL ist nur ein Beispiel dafür, wie BGS die digitale Entwicklung über einen integrierten Datenfluss vorantreibt, der die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort liefert und so eine bessere Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Standorten und im gesamten Unternehmen ermöglicht. Das Unternehmen möchte zukünftig seine Vertriebs-, Bestands- und Betriebsplanungsprozesse (SI&OP) über den PDL dokumentieren und mit Daten von Servigistics abwickeln. Außerdem sind noch weitere Geschäftsbereiche bei Boeing an der Implementierung dieser Tool-Suite zur Unterstützung ihrer Geschäftsziele interessiert.

boeing-575x525Im weiteren Verlauf erkundet BGS andere Ressourcen und Tools, um noch mehr langfristiges Potenzial aus der digitalen Entwicklung zu schöpfen. Ein Beispiel ist Performance Analytics and Intelligence (PAI) von Servigistics – eine leistungsstarke Kombination aus künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Big-Data-Analyse. „Es gibt so viele Möglichkeiten, um von diesen fortschrittlichen Technologietrends zu profitieren“, sagt Belmer. „Wir freuen uns darauf, unsere Datenanalysen zu erweitern und herauszufinden, wie wir mit Partnern wie PTC und Capgemini zusammenarbeiten können, um einen noch größeren Nutzen in allen Bereichen des Unternehmens zu erzielen.“

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Servigistics-Implementierung ist, das BGS dank der eingegangenen Partnerschaften mehr Probleme lösen und Mehrwert schaffen konnte. Mit der Unterstützung von PTC und Capgemini ebnete das Projekt den Weg für zukünftige Erfolge. „Servigistics ist für unseren globalen Betrieb von entscheidender Bedeutung, und unsere Partnerschaft mit Capgemini ist unersetzlich“, sagt Belmer. „Dank der gemeinsamen Arbeit profitieren wir bei Boeing von innovativen Funktionen und einzigartigem Know-how, das unsere operative Leistung maximiert“. Eine so tiefgreifende Partnerschaft bietet wirklich unzählige Möglichkeiten.“

„Servigistics ist für unseren globalen Betrieb von entscheidender Bedeutung. Und unsere Partnerschaft mit Capgemini ist unersetzlich. Dank der gemeinsamen Arbeit profitieren wir bei Boeing von innovativen Funktionen und einzigartigem Know-how, das unsere operative Leistung maximiert.“

~ Debbie Belmer, Senior Manager
Supply Chain Enablement
Boeing Global Services