Cindy Dustin ist bei PTC als Marketingleiterin für die Automobilindustrie tätig und hat sich auf GTM-Strategien, ergebnisorientierte Kommunikation, Thought Leadership und die Einbindung von Führungskräften spezialisiert. Dank ihrer langjährigen Erfahrung in der Entwicklung von Kommunikationskonzepten für Ingenieure und Führungskräfte bringt sie eine praxisorientierte, geschäftsorientierte Perspektive ein, wie die Branche angesichts der zunehmenden Komplexität von Software und Systemen schnellere, effizientere und konforme Innovationen umsetzen kann.
Am 3. März 2026 trafen sich führende Vertreter der Automobilbranche aus ganz Nordamerika in Dearborn, Michigan, in der legendären Automotive Hall of Fame zum „Automotive Executive Exchange (AEE) Detroit“ von PTC – einem themenspezifischen Forum für Führungskräfte, das sich mit den drängendsten Herausforderungen der Automobilindustrie befasste.
Im Mittelpunkt des Austauschs standen Vordenker, kollegiale Dialoge und praxisnahe Strategien zum Umgang mit der zunehmenden Softwarekomplexität, zur Beschleunigung von Innovation und Effizienz sowie zur Operationalisierung von KI über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.
Die Veranstaltung brachte Führungskräfte führender OEMs, Tier-1-Zulieferer und Technologiepartner – darunter Ford, General Motors, Magna, BorgWarner, PACCAR, TCS und Deloitte – zusammen, um praktische Erfahrungen und Ansätze zur Transformation auszutauschen.
In den verschiedenen Sessions und Diskussionen kristallisierte sich eine klare Erkenntnis heraus:
Angesichts der beispiellosen Konvergenz verschiedener Herausforderungen – Software Defined Vehicles, KI-gestützte Entwicklung, komplexe regulatorische Rahmenbedingungen und Kostenzwänge –, die alle gleichzeitig auftreten, reichen schrittweise Veränderungen nicht mehr aus.
Wichtige Themen
Die Rolle der KI und des „Digital Thread“
KI war während der gesamten Veranstaltung ein zentrales Thema – nicht als Zukunftskonzept, sondern als praktisches Werkzeug, das bereits in den Bereichen Entwicklung und Betrieb eingesetzt wird.
Die Führungskräfte betonten jedoch eine entscheidende Voraussetzung: Der Mehrwert, den KI bietet, steigt exponentiell, wenn sie auf einer Grundlage vertrauenswürdiger Produktdaten aufbaut. Hier kommt dem „Digital Thread“ eine entscheidende Rolle zu – er verbindet Anforderungen, Konstruktion, Validierung, Fertigung und Service zu einem einzigen, rückverfolgbaren Ablauf.
Unternehmen, denen diese Vernetzung gelingt, profitieren von:
- Besserer Transparenz in komplexen Systemen
- Schnellerer Entscheidungsfindung
- Verbesserter Qualität und Compliance
Die wichtigste Erkenntnis: KI liefert messbaren Mehrwert, wenn sie auf einer soliden Produktdatenbasis aufbaut und direkt in Arbeitsabläufe eingebettet ist.
Warum Rückverfolgbarkeit und Lebenszyklusintegration gerade jetzt wichtig sind
Software definiert das Produkt neu und erhöht dabei die Komplexität sowie die Abhängigkeiten zwischen Hardware, Software und Systemen. Ein erfolgreiches Integrationsmanagement über den gesamten Lebenszyklus hinweg ist unerlässlich, doch es ist allgemein anerkannt, dass veraltete Tools – insbesondere Tabellenkalkulationen – die stillen Killer von Rückverfolgbarkeit, Skalierbarkeit und Effizienz sind.
Führungskräfte betonten die Notwendigkeit,
- Anforderungen über Hardware- und Software-Domänen hinweg zu verknüpfen
- die Abstimmung zwischen globalen Teams und Zulieferern aufrechtzuerhalten
- die Einhaltung sich weiterentwickelnder regulatorischer Standards sicherzustellen
Der wachsende Fokus auf die ALM–PLM-Integration spiegelt diesen Bedarf wider – die Verknüpfung von Software- und Hardware-Entwicklung in einer einheitlichen Lebenszyklusumgebung.
Leitfaden zur ALM-PLM-Integration in der Automobilindustrie
Sind Sie bereit, mit der Entwicklung Ihrer ALM-PLM-Integrationsstrategie zu beginnen?
Mehr erfahrenGeschwindigkeit und Effizienz sind das Ergebnis von Standardisierung und digitaler Transformation
In den Diskussionen betonten die Führungskräfte immer wieder, dass viele der heutigen Verzögerungen, Kostenüberschreitungen und Qualitätsprobleme nicht auf mangelnde Innovation zurückzuführen sind – sondern auf die Nutzung isolierter Systeme, manueller Prozesse und isolierter Arbeitsabläufe. Geschwindigkeit und Effizienz werden nicht mehr durch zusätzlichen Aufwand oder weitere Tools vorangetrieben, sondern durch die Beseitigung von Fragmentierung mittels Standardisierung und digitaler Transformation.
Zukunftsorientierte Unternehmen wenden sich ab von:
- Stark anpassungsbedürftigen Prozessen pro Programm oder Team
- Optimierung auf Einzelwerkzeug-Ebene
- Lokalen technischen Entscheidungen
Und bewegen sich hin zu:
- Standardisierten Frameworks über Programme und Plattformen hinweg
- Gemeinsamen Datenmodellen und Architekturen
- Wiederverwendbaren Ressourcen und Prozessen
Das Ergebnis: Schnellere Umsetzung, geringere Komplexität und skalierbare Innovation, wobei die Geschwindigkeit nicht durch härteres Arbeiten entsteht, sondern durch standardisierte Prozesse und eine einheitliche, datengesteuerte Grundlage.
Wie führende Unternehmen heute vorgehen
Die eindrucksvollsten Momente boten die von Kunden und Partnern geleiteten Sessions, in denen Unternehmen darlegten, wie sie die Transformation in großem Maßstab umsetzen.
- Tenneco beschrieb detailliert die rasche unternehmensweite Einführung von PLM und den Aufbau einer zentralisierten digitalen Infrastruktur, um Silos zu beseitigen, Tools zu standardisieren und eine effizientere globale Zusammenarbeit im Engineering zu ermöglichen. Die Nutzung von Standardfunktionen zur Vermeidung von Anpassungen unterstrich den Kernwert des Unternehmens: Vereinfachung.
- Rivian erörterte die Herausforderungen fragmentierter Systeme und die Bemühungen des Unternehmens, Daten zu vereinheitlichen und KI für prädiktive Modellierung und Problemlösung zu nutzen. Die Session zeigte, wie KI bereits messbare Auswirkungen auf die Service-Lieferkette hat, und demonstrierte, wie intelligente Automatisierung und tiefgreifendere Datenanalyse im Ersatzteilmanagement die operative Leistung in realen Szenarien verbessern können.
- PACCAR berichtete über seinen Wandel von manuellen, isolierten Prozessen hin zu einem modernen, intelligenten Produktlebenszyklus, um komplexe Lkw-Konfigurationen, globale Änderungsprozesse, die Nachverfolgung von Korrekturmaßnahmen und die Automatisierung zu verwalten. PTC-Lösungen helfen PACCAR dabei, die Qualität zu verbessern, die Komplexität der Teile zu reduzieren, Engineering-Workflows zu beschleunigen und einen stärkeren Digital Thread über die gesamte Entwicklung hinweg zu schaffen.
- Deloitte hob hervor, wie Software Defined Vehicles die Komplexität zwischen OEMs und Zulieferern verstärken und ein stärkeres digitales Anforderungsmanagement, Rückverfolgbarkeit, Compliance sowie Änderungskontrolle erfordern. Plattformbasierte Entwicklung, Produktlinien-Engineering, Feature-Management und Architekturmodellierung können die Zusammenarbeit verbessern, Nacharbeiten reduzieren, die Validierung beschleunigen und Zulieferern sowie OEMs dabei helfen, sich ändernde Vorschriften und Programmabhängigkeiten zu bewältigen.
- TCS erörterte die wachsende Komplexität der Entwicklung von Software Defined Vehicles und legte dabei den Schwerpunkt auf integriertes Anforderungs-, Software-, Validierungs-, Konfigurations- und KI-Modellmanagement. Die Session beleuchtete die Herausforderungen bei der Transformation der Kunden, die Notwendigkeit der Nachverfolgbarkeit über Plattformen und Releases hinweg sowie Möglichkeiten zur Verbesserung von Geschwindigkeit, Wiederverwendbarkeit und Ergebnissen durch strukturierte Erkundung und integrierte Engineering-Praktiken.
Bei all diesen Beispielen zeigte sich ein einheitliches Muster: Die Transformation wird durch Vereinfachung, Standardisierung, KI und eine einheitliche Datenbasis vorangetrieben.
Was Führungskräfte derzeit priorisieren
Auch wenn die Strategien unterschiedlich sind, ist die Richtung klar: Führende Unternehmen der Automobilbranche konzentrieren sich darauf, die Effizienz und Zusammenarbeit zu verbessern, Altsysteme zu modernisieren und KI in die alltäglichen Entwicklungsabläufe zu integrieren, um mit der wachsenden Komplexität und dem zunehmenden Wettbewerb Schritt zu halten.
Unternehmen konzentrieren sich auf:
- die Modernisierung von Altsystemen und die Abschaffung von auf Tabellenkalkulationen basierenden Prozessen
- die Standardisierung von Entwicklungsansätzen zur Verbesserung von Geschwindigkeit und Skalierbarkeit
- die Einbindung von KI in alltägliche Arbeitsabläufe
- den Aufbau vernetzter digitaler Grundlagen zur Unterstützung der Komplexität von SDVs
Dies sind keine Zukunftspläne – es handelt sich um aktive Transformationsprogramme, die bereits im Gange sind.
Das Fazit
Die Veranstaltung in Detroit hat eine entscheidende Erkenntnis für die Automobilindustrie untermauert: Innovation allein reicht nicht mehr aus – erst die Umsetzung in großem Maßstab zeichnet Marktführer aus.
Die Unternehmen, die sich an die Spitze setzen, sind diejenigen, die in der Lage sind:
- die softwarebedingte Komplexität über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu bewältigen
- Daten und Prozesse zwischen Entwicklung und Betrieb zu verknüpfen
- KI dort einzusetzen, wo sie messbare Ergebnisse liefert
- schneller zu liefern – ohne Abstriche bei Qualität und Compliance
Die Zukunft der Automobilbranche gehört den Unternehmen, die in der Lage sind, die softwarebedingte Komplexität effizient zu bewältigen, den Einsatz von KI zu skalieren und Innovationen durch einen vernetzten, intelligenten Produktlebenszyklus zu beschleunigen.
Vielen Dank an unsere Teilnehmer und Referenten
Vielen Dank an alle Teilnehmer und Referenten, die in Detroit dabei waren. Ihre Zusammenarbeit und Ihr gemeinsames Fachwissen haben diesen Austausch zu einem wirklich bereichernden Erlebnis gemacht – insbesondere die praxisnahen Einblicke von Branchenführern, die die Diskussionen in konkrete Handlungsimpulse verwandelt haben.