Hanna Taller ist Autorin von Inhalten für das ALM-Marketingteam von PTC. Sie ist verantwortlich für die Steigerung der Markenbekanntheit und die Förderung von Thought Leadership für Codebeamer. Hanna Taller erstellt mit Leidenschaft aufschlussreiche Inhalte rund um ALM, Life Sciences, Automobiltechnologie und Avionik.
Für Automobilhersteller sind Nachhaltigkeitsziele nicht mehr von den Geschäftszielen zu trennen. Angesichts sich weiterentwickelnder Vorschriften, steigender Kundenerwartungen und zunehmender Produktkomplexität benötigen Unternehmen praktische Ansätze, um die Umweltbelastung zu reduzieren und gleichzeitig Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Im PTC-Webinar „Improving Product Sustainability in Automotive“ erläutern die Nachhaltigkeitsexperten Dave Duncan und Kreig Cutter, wie Automobilhersteller die Produktnachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg messen, reduzieren und steuern können, während sie diese Bemühungen gleichzeitig auf wichtige Geschäftsziele abstimmen.
Die drei Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit, denen sich Automobilhersteller gegenübersehen
Das Webinar nennt drei zentrale Nachhaltigkeitsherausforderungen, denen sich Unternehmen der Automobilbranche stellen müssen:
- Messung des ökologischen Fußabdrucks von Produkten
- Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von Produkten
- Etablierung kreislauforientierter Geschäftsmodelle
Diese Herausforderungen erfordern von den Herstellern, die Umweltauswirkungen ihrer Produkte zu verstehen, Möglichkeiten zur gewinnbringenden Reduzierung dieser Auswirkungen zu identifizieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die den Produktwert über den Erstverkauf hinaus erweitern.
Bei der Messung des ökologischen Fußabdrucks von Produkten müssen Unternehmen Treibhausgasemissionen, gefährliche Stoffe und den Verlust endlicher Rohstoffe berücksichtigen. Zunehmende regulatorische Anforderungen machen einen besseren Überblick über diese Faktoren über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg erforderlich.
Nachhaltigkeit muss mit den Geschäftsergebnissen im Einklang stehen
Eines der zentralen Themen des Webinars ist, dass Nachhaltigkeitsinitiativen am erfolgreichsten sind, wenn sie übergeordnete Unternehmensziele unterstützen.
Anstatt Nachhaltigkeit als reine Compliance-Maßnahme zu betrachten, sollten Automobilhersteller ihre Nachhaltigkeitsbemühungen mit strategischen Prioritäten verknüpfen, wie zum Beispiel:
- Schnellere Markteinführung
- Verbesserte Qualität
- Geringere Produktkosten
- Höhere Serviceumsätze und Margen
Den Referenten zufolge wird die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks eines Produkts erst dann nachhaltig, wenn sie mit diesen Unternehmenszielen in Einklang steht. So kann beispielsweise eine Verbesserung der Materialeffizienz sowohl die Umweltbelastung als auch die Produktkosten senken, während Kreislaufwirtschaftsmodelle neue Möglichkeiten für Serviceumsätze schaffen können.
Nachhaltiges Design
Einsatz von CAD für innovative und nachhaltige Designlösungen.
Mehr erfahrenGewinnbringende Chancen im Bereich Nachhaltigkeit entdecken
Viele Hersteller gehen davon aus, dass Verbesserungen im Bereich Nachhaltigkeit automatisch zu höheren Kosten führen. Das Webinar stellt diese Sichtweise in Frage und hebt hervor, dass sich erhebliche Nachhaltigkeitsgewinne erzielen lassen, während gleichzeitig geschäftlicher Mehrwert geschaffen wird.
Die Referenten weisen darauf hin, dass die Senkung des Energieverbrauchs und des Materialverbrauchs direkt zu Kosteneinsparungen führt. Über Effizienzsteigerungen hinaus können Unternehmen von der Umstellung auf sauberere Energiequellen und der Einbindung von Materialien aus der Kreislaufwirtschaft in Produkte und Prozesse profitieren.
Das Webinar betont zudem, dass Kreislaufwirtschaft eine große Chance darstellt. Anstatt sich ausschließlich auf das Recycling zu konzentrieren, sollten Unternehmen nach Möglichkeit höherwertige Ansätze wie Reparatur, Wiederverwendung, Aufarbeitung und Eigenfertigung priorisieren. Diese Ansätze tragen dazu bei, den Produktwert zu erhalten und gleichzeitig den Bedarf an neuen Rohstoffen zu senken.
Hotspots im Produkt-Fußabdruck verstehen
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Session ist, dass die Produktionsstätte eines Produkts oft nicht den größten Anteil an dessen ökologischem Fußabdruck hat.
Die Referenten erläutern, dass vorgelagerte Aktivitäten wie die Rohstoffgewinnung, die Verarbeitung und die Fertigung bei Zulieferern häufig einen erheblichen Teil des Fußabdrucks eines Produkts ausmachen. Auch die nachgelagerten Auswirkungen während der Produktnutzung können je nach Produkt und den verwendeten Energiequellen erheblich sein. Die Kreislaufwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle dabei, Unternehmen beim Erreichen ihrer langfristigen Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen, indem sie die Rückgewinnung und Wiederverwendung von Materialien und Produkten ermöglicht.
Das Verständnis dafür, wo diese Auswirkungen auftreten, ermöglicht es den Teams aus den Bereichen Engineering, Nachhaltigkeit und Produktentwicklung, ihre Anstrengungen auf die Bereiche zu konzentrieren, die den größten geschäftlichen und ökologischen Nutzen bringen.
Digitaler Produktpass: Eine Grundlage für nachhaltige Produkte
Ein Schwerpunkt des Webinars ist die wachsende Bedeutung digitaler Produktpässe (Digital Product Passports, DPPs).
Die Referenten beschreiben einen digitalen Produktpass als eine Art „Nährwertkennzeichnung“ für ein Produkt, die Informationen über CO2-Emissionen, Wasserverbrauch, Materialzusammensetzung, gefährliche Stoffe und Kreislaufwirtschaftseigenschaften erfasst. Einige Pässe können Produkte zudem über ihren gesamten Betriebslebenszyklus hinweg nachverfolgen, um kreislauforientierte Geschäftsmodelle und Compliance zu unterstützen.
Mithilfe von PLM, CAD, Daten der Zulieferer, Fertigungsinformationen und Tools zur Ökobilanzierung können Hersteller „As-Designed“-Pässe erstellen, die Einblick in die Nachhaltigkeitsleistung eines Produkts bieten. Diese Informationen helfen Teams dabei, ökologische Problembereiche zu identifizieren, Designalternativen zu bewerten und bereits in einer frühen Entwicklungsphase fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Über die Konstruktionsphase hinaus können Unternehmen den Produktpass auf die Service- und Betriebsphasen ausweiten, indem sie „As-Serviced“-Produktpässe erstellen. Diese DPPs erfassen Eigentumsverhältnisse, Serviceereignisse, Upgrades und Aktivitäten am Ende der Lebensdauer und helfen Unternehmen dabei, Kreislaufwirtschaftsinitiativen und neue, umsatzgenerierende Servicemodelle zu unterstützen.
Design für Nachhaltigkeit
Das Webinar hob zudem hervor, wie wichtig es ist, Nachhaltigkeit direkt in die Prozesse des Engineering-Prozesses zu integrieren.
„Design for Sustainability“ (DfS) umfasst die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsanforderungen neben den traditionellen Konstruktionsanforderungen. Teams können Ziele definieren, wie beispielsweise die Steigerung der Recyclingquote, die Verbesserung der Compliance, die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks über den gesamten Lebenszyklus oder die Einführung bewährter Nachhaltigkeitspraktiken in Entwicklungsabläufe.
Fortschrittliche Konstruktionstechniken können diese Ziele zusätzlich unterstützen. Materialauswahl, Generatives Design, Topologieoptimierung und die Simulation von Fertigungsprozessen können Ingenieuren dabei helfen, den Materialverbrauch zu senken, die Effizienz zu steigern und den CO2-Fußabdruck der Produkte zu verringern, ohne dabei die Leistungsanforderungen zu beeinträchtigen.
Die Rolle von Software-Defined Vehicles
Der Übergang zu softwaredefinierten Produkten eröffnet zudem neue Möglichkeiten im Bereich der Nachhaltigkeit.
Im Webinar wird erläutert, dass Software eine immer wichtigere Rolle bei elektrischen Antriebssträngen und der Fahrzeugfunktionalität im weiteren Sinne spielt. Fernüberwachung, Ferndiagnose, Software-Updates und Serviceoptimierung können die Produktnutzung verbessern, die Produktlebensdauer verlängern und kreislauforientierte Geschäftsmodelle unterstützen. Integriertes Produkt-Engineering trägt dazu bei, den Produkt-, Software- und Service-Lebenszyklus miteinander zu verknüpfen, der zur Erreichung dieser Ziele erforderlich ist.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Hersteller stehen unter zunehmendem Druck, ihre Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern, doch das Webinar liefert überzeugende Argumente dafür, dass Nachhaltigkeit nicht auf Kosten der Rentabilität gehen muss.
Durch die Konzentration auf Produkt-Fußabdrücke, kreislauforientierte Geschäftsmodelle, digitale Produktpässe und „Design for Sustainability“-Praktiken können Unternehmen ein Framework schaffen, das Umweltziele direkt mit Geschäftsergebnissen verknüpft. Wie die Referenten abschließend feststellen, ist die Reduzierung des Produkt-Fußabdrucks am erfolgreichsten, wenn sie rentabel ist, und digitale Produktpässe (DPPs) bilden eine entscheidende Grundlage für die Bewältigung von Nachhaltigkeitsherausforderungen in großem Maßstab.
Für Automobilunternehmen, die Nachhaltigkeitsziele verfolgen, geht es nicht einfach nur um Compliance. Es geht um bessere Produkte, die Schaffung neuer Umsatzmöglichkeiten und die Etablierung eines widerstandsfähigeren und effizienteren Produktlebenszyklus.