Colleen Smith ist PTCs Global Partner Marketing Leader, wo sie mit strategischen Technologie- und Servicepartnern aus der ganzen Welt zusammenarbeitet und PTCs indirekte Go-to-Market-Strategie sowie deren Umsetzung überwacht. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der Softwarebranche und der Zusammenarbeit mit Technologie- und SaaS-Partnern verfügt Colleen über ein tiefes Verständnis der Branche, der Technologieprodukte und der Marktchancen für Wachstum.
Hier ein Überblick darüber, was PTC auf der weltweit größten Industriemesse präsentiert hat und was dies für die Kunden und Partner bedeutete, die gekommen waren, um zuzuhören, Fragen zu stellen und sich über die Zukunft zu informieren.
Das große Thema: Industrielle KI dominierte die Messe
Das übergreifende Thema der Hannover Messe 2026 war „Industrial AI“ – und es war auf der gesamten Veranstaltung allgegenwärtig. Ganz gleich, ob die Besucher einen Stand besuchten, an einer Veranstaltung teilnahmen oder einfach nur über die Messe schlendern: Die Fragen drehten sich immer wieder um dieselben Themen: Was leistet KI im industriellen Kontext? Wie fängt man damit an? Wie sieht die Roadmap von PTC aus?
KI bei PTC
Produktdaten in datenbasierte Informationen umwandeln.
Mehr erfahrenKunden und Standbesucher waren begierig auf konkrete Antworten. In den Gesprächen ging es weniger darum, ob KI eingeführt werden sollte, sondern vielmehr darum, wie – insbesondere welche Rolle die Produktdatenbasis spielt, wie sich KI in bestehende Tools wie Windchill, Creo, Codebeamer und ServiceMax integrieren lässt und wie der kurzfristige ROI aussieht.
Wichtige Themen, die von Kunden und Teilnehmern immer wieder angesprochen wurden:
- Die Zusammenführung von generativer KI, agentischer KI und physischer KI führt zu einer echten Umwälzung – nicht nur zu einer schrittweisen Verbesserung – in der Arbeitsweise industrieller Unternehmen.
- Die richtige Datenbasis ist die Voraussetzung dafür. Fragmentierte, isolierte Daten sind das größte Hindernis für die Realisierung des KI-Nutzens.
- Kunden möchten mit einem einzigen, wirkungsvollen Anwendungsfall beginnen, den Nutzen nachweisen und von dort aus skalieren. Sie streben keine umfassende Transformation über Nacht an.
- Sicherheit und Datenhoheit bleiben die wichtigsten Anliegen, insbesondere für Hersteller, die Bedenken haben, dass Daten ihre Umgebungen verlassen könnten.
Das Demo-Erlebnis: Bobcat und intelligentes Produktlebenszyklusmanagement
Im Mittelpunkt des PTC-Messestands stand eine Live-Demonstration, die den gesamten Prozess abdeckte und auf dem PTC-Kunden Bobcat basierte – einem weltweit tätigen Hersteller von kompakten Baumaschinen mit einem Händlernetz von mehr als 600 Standorten weltweit. Die Demonstration veranschaulichte den gesamten Produktlebenszyklus anhand eines realen Szenarios: die Überarbeitung des Minibaggers Bobcat E17z und die Neukonstruktion einer Schlüsselkomponente, des Auslegerschwenkrahmens.
Die Geschichte: Überarbeitung eines neuen Produkts
Bobcat prüft regelmäßig Möglichkeiten, seine beliebtesten Modelle neu zu gestalten und zu aktualisieren, um die neueste Technologie zu integrieren und die Wettbewerbsfähigkeit der Produktpalette zu gewährleisten. Herkömmliche Überarbeitungsprozesse sind fast so komplex wie die Einführung eines völlig neuen Produkts – sie sind langwierig, fehleranfällig und erfordern einen hohen Koordinationsaufwand zwischen Entwicklung, Fertigung und Service. Die Demo zeigte, wie die vernetzte, intelligente Plattform für das Produktlebenszyklusmanagement von PTC diesen Aufwand durch KI-gestützte Funktionen in jedem Schritt drastisch reduziert.
Die Demo-Tour
Die Demo war in fünf Phasen gegliedert und führte die Teilnehmer durch den gesamten Lebenszyklus:
Phase 1 – Marktforschung und Flottenanalyse (PTC Asset 360): Die Geschichte beginnt damit, dass der Produktmanager den AI Hub von Asset 360 nutzt, um die Leistungsdaten der gesamten E17z-Flotte zu analysieren – dabei identifiziert er Anomalien, ermittelt Kostenfaktoren und erstellt die Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine technische Änderung. Durch KI generierte Erkenntnisse zeigen den Schwenkrahmen als vorrangige Verbesserungsmöglichkeit auf und lösen einen formellen Änderungsantrag aus.
Phase 2 – Entwicklung: Anschließend ging die Demo zum Entwicklungsworkflow über, der auf Windchill und Codebeamer basiert
- Änderungsmanagement im Unternehmen – Der Änderungsadministrator prüft und genehmigt den Änderungsantrag in Windchill, erstellt eine Änderungsmitteilung und weist Aufgaben den verschiedenen technischen Fachbereichen zu. Die modulare E17z-Produktstruktur und alle betroffenen Teile werden überprüft.
- Anforderungsanalyse und -prüfung – Mithilfe von Codebeamer aktualisiert der Anforderungsingenieur die Konstruktionsanforderungen für den Schwenkrahmen und nutzt Codebeamer AI, um den überarbeiteten Anforderungstext zu validieren und neue Testfalldefinitionen automatisch zu generieren. Pure Variants wird verwendet, um Variantenmodelle zu verwalten und variantspezifische Ströme zu erstellen.
- Detailkonstruktion — In Creo führt der Konstrukteur eine Generative Design-Studie für den Schwenkrahmen auf Basis der aktualisierten Anforderungen durch und erstellt ein neu konstruiertes Bauteil, das etwa 25 % weniger Material verbraucht. Der Konstrukteur versieht den neuen Entwurf mithilfe von Model-Based Definition (MBD) mit GD&T Advisor mit Anmerkungen und generiert ein 3D-PDF für den Austausch mit den Beteiligten.
- Produktdefinition verbessern und validieren — Struktur- und Modalanalysen werden direkt in Creo durchgeführt, wobei Creo AI bei der Simulationskonfiguration hilft. Die Ergebnisse werden als Testläufe in Codebeamer erfasst und mit den Anforderungen verknüpft, um vollständige Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
- Produktdatenmanagement — Windchill verwaltet alle CAD-Daten, die aktualisierte Stückliste sowie Optionen und Varianten. Windchill AI Part Rationalization wird eingesetzt, um doppelte Teile zu identifizieren und zu eliminieren und so die EBOM zu optimieren. Die abschließende Konstruktionsprüfung nutzt die Integration von Windchill und NVIDIA Omniverse für eine physikalisch korrekte Echtzeit-Darstellung jeder Produktvariante – ein echter Publikumsmagnet auf der Messe.
Phase 3 – Prototypentests (Codebeamer + ServiceMax): In ServiceMax wird ein Dauerlaufversuch für den Auslegerschwenkrahmen geplant, wobei ein ML-gesteuertes Service-Board die optimale Zuweisung von Testbereichen, Prüfständen und Ingenieuren empfiehlt. Die Testingenieure führen dann mithilfe von ServiceMax Go ein 500-stündiges Dauerlaufprotokoll durch und erfassen die Prüfergebnisse in Abständen von 50 Stunden. Die Ergebnisse werden anschließend automatisch mit Codebeamer synchronisiert, um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.
Phase 4 – Fertigung (Windchill): Nach der technischen Freigabe aktualisiert der Fertigungsingenieur die Fertigungsstückliste mithilfe des BOM Transformer von Windchill und synchronisiert die aktualisierte MBOM mit SAP. Aktualisierte Montageprozesspläne und digitale Arbeitsanweisungen – einschließlich 3D-Darstellungen und Kontrollmerkmale – werden von den Fertigungsmitarbeitern in der Fertigung über die View Work Instructions-App von Windchill genutzt.
Phase 5 – Service (PTC Asset 360 + ServiceMax + Arbortext): Da der neue E17z nun serienreif ist, bietet Asset 360 vollständige Transparenz über die gewartete Stückliste und die Servicehistorie der gesamten installierten Flotte, was eine präzise Identifizierung aller Einheiten ermöglicht, die das Swing-Frame-Upgrade benötigen. Eine Service-Kampagne mit Feldänderungsaufträgen (FCO) wird automatisch über das autorisierte Händlernetz von Bobcat gestartet. Autorisierte Händler erhalten priorisierte Arbeitsaufträge, die über das ML-gesteuerte Service Board von ServiceMax geplant werden. Vor Ort nutzen Techniker ServiceMax Go mit KI-gestützten Arbeitsauftragsübersichten, um Umfang, Historie und erforderliche Maßnahmen sofort zu erfassen. Die gewartete Stückliste wird beim Austausch von Komponenten automatisch aktualisiert, wodurch der Kreislauf zurück zur Flottenintelligenz geschlossen wird.
KI- und NVIDIA-Funktionen in der Demo
Durchgehend standen KI-Funktionen im Mittelpunkt – darunter Codebeamer AI für die Anforderungsvalidierung und die Generierung von Testfällen, Asset 360 AI Hub für Flottenintelligenz und die Erstellung von FCO-Kampagnen, Creo AI für generatives Design und Simulationsunterstützung, Windchill AI Part Rationalization sowie ServiceMax AI für Arbeitsauftragsübersichten und Chat-Funktionen. Ein Highlight war die Integration von NVIDIA Omniverse in Windchill, die ein physikalisch korrektes Echtzeit-Rendering direkt aus PLM-Daten demonstrierte.
Der Intelligent Product Lifecycle
PTC zeigt den Nutzen des Intelligent Product Lifecycles anhand eines Minibaggers von Bobcat.
Mehr erfahrenProdukt-Updates / KI-Funktionen / Schlussbemerkungen
In den Gesprächen mit Kunden und Partnern am Stand kristallisierten sich mehrere wiederkehrende Themen und Fragen heraus:
- Windchill: Die Kunden zeigten großes Interesse an den neuesten Funktionen – insbesondere an der KI-gestützten Bauteilrationalisierung in Windchill, den Verbesserungen im Stücklistenmanagement und der Integration von Windchill und NVIDIA Omniverse für immersive Konstruktionsprüfungen. Die Möglichkeit, Anforderungen aus Codebeamer direkt in die Stückliste zu verknüpfen, war ein wichtiges Thema für Unternehmen, die komplexe, regulierte Produkte verwalten.
- Creo: Generatives Design stieß weiterhin auf großes Interesse als Beleg für KI-gestütztes Engineering. Kunden wollten verstehen, wie sich der Workflow – von der Entwurfsstudie bis zur fertigungsreifen Geometrie – in einen bestehenden Änderungsmanagementprozess einfügt.
- Codebeamer: KI-gestützte Anforderungsvalidierung und automatisierte Testfallgenerierung waren die am häufigsten diskutierten neuen Funktionen. Kunden aus regulierten Branchen (Automobil, Luft- und Raumfahrt sowie Industrieausrüstung) zeigten besonderes Interesse an der durchgängigen Rückverfolgbarkeit, die Anforderungen mit dem Design und der Testausführung verknüpft.
- ServiceMax: Die Kombination aus ML-gesteuerter Terminplanung (Service Board) und KI-gestützten Arbeitsauftragsübersichten in ServiceMax Go stieß bei Kunden, die große Netzwerke von Servicetechnikern und Händlern verwalten, auf große Resonanz.
Die Hannover Messe 2026 hat einige Aspekte hinsichtlich der aktuellen Marktlage und der Positionierung von PTC deutlich gemacht:
- Industrielle KI ist das bestimmende Thema. Jedes Kundengespräch, jede Podiumsdiskussion, jede Interaktion am Messestand hatte KI als roten Faden. Die Frage hat sich von „Sollten wir uns mit KI befassen?“ zu „Wie setzen wir sie in unserem Umfeld um?“ verschoben.
- Die Produktdatenbasis ist das Unterscheidungsmerkmal. Kunden, die ihre Daten bereits in Windchill, Codebeamer, Creo und ServiceMax gespeichert haben, sind weitaus besser aufgestellt, um die Vorteile von KI-Funktionen zu nutzen. Die Demo mit Bobcat hat dies deutlich veranschaulicht – jede KI-Funktion in der Präsentation basierte auf sauberen, vernetzten Produktdaten.
- Die KI-native Produktsuite findet großen Anklang. Die Funktionen von Windchill AI, Creo AI, Codebeamer AI, Asset 360 AI Hub und ServiceMax AI sind keine Roadmap-Punkte mehr – sie sind live, demonstrierbar und stehen in direktem Zusammenhang mit dem Kundennutzen.
- Partner verstärken die Botschaft. Die Integration von Windchill und NVIDIA Omniverse sowie die Partnerschaft mit Microsoft waren wichtige Unterscheidungsmerkmale in den Gesprächen, insbesondere für Kunden, die über immersive Designprüfungen und eine KI-Infrastruktur für Unternehmen nachdenken.