6 Gründe, warum Projekte misslingen: Wie die Anforderungsverwaltung Ihnen helfen kann

Written By: Michelle Boucher

Anforderungen definieren die funktionellen und physischen Vorgaben für ein Produkt. In gewisser Weise dienen Anforderungen als Roadmap für die Produktentwicklung, die Produktentwicklungsteams Anhaltspunkte für die Erwartungen an ein Produkt liefert. Auch wenn die Zusammenstellung einer Anforderungsliste mit enorm viel Arbeit verbunden ist, so ist dies doch noch der einfachere Teil. Die Verwaltung der Anforderungen ist oft erst richtig kompliziert und der Punkt, an dem etwas schiefgeht. Christopher Lindquist brachte es im CIO Magazine in seinem Artikel „Fixing the Requirements Mess“ auf den Punkt, als er schrieb, dass ganze 71 % der fehlgeschlagenen [eingebetteten] Softwareprojekte aufgrund von unzulänglichem Anforderungsmanagement scheitern. Dieses sei damit der bedeutendste Grund für das Versagen von Projekten. Projektversagen bedeutet verlorene Investitionen, Kostenüberschreitungen und Umsatzausfälle. Wie können Unternehmen dies vermeiden?

Die folgenden sechs Herausforderungen haben sich als Hauptgründe für die Probleme bei der Anforderungsverwaltung herauskristallisiert. Indem sie bewältigt werden, schaffen Unternehmen eine solide Grundlage für ihren Erfolg, wodurch sie die Gefahr von Projektversagen minimieren. So können sie neue Kunden gewinnen, innovativere Produkte auf den Markt bringen, effizienter arbeiten und die Rentabilität verbessern.

Anforderungen sind nicht genau definiert.
Der erste Schritt der Anforderungsverwaltung ist die genaue Erfassung und Definition der einzelnen Anforderungen. Herrscht bezüglich der Anforderungen Unschlüssigkeit, ist gerade zu vorprogrammiert, dass die Anforderungen nicht erfüllt werden und die Gefahr von Produktversagen steigt. Eine ordnungsgemäß definierte Anforderung ist mit einem Kundenbedarf verknüpft. Dadurch wird Klarheit für das Entwicklungsteam geschaffen und die Arbeit bleibt auf den Erfolg am Markt fokussiert. Anforderungen müssen darüber hinaus klar und messbar sein, sodass sich eindeutig feststellen lässt, ob sie erfüllt wurden.

Unzureichendes Änderungsmanagement für Anforderungen
Würden Anforderungen statisch bleiben, würde das die Anforderungsverwaltung erheblich erleichtern. Doch Änderungen sind unvermeidbar. Der Markt verändert sich, neue Technologien entstehen, der Wettbewerb reagiert, es gibt neue Verfahren, Konstruktionsfehler werden erkannt oder Tests sind nicht erfolgreich: All das kann Änderungen nach sich ziehen. Ist es nicht möglich, alle Auswirkungen zu identifizieren und alle von einer Änderung betroffenen Bereiche zu benachrichtigen, führt dies zu unzulänglichem Änderungsmanagement. Die Folgen sind unnötiger Aufwand, veraltete Informationen und Konstruktionskonflikte. Dadurch steigen die Kosten und es kommt zu Verzögerungen.

Fehlen einer zuverlässigen und allgemein gültigen Datenquelle für Anforderungen
An der Entwicklung moderner Produkte sind in der Regel mehrere Fachbereiche beteiligt, die an untereinander abhängigen Komponenten des Produkts arbeiten. Die einzelnen Bereiche neigen dazu, eigene Konstruktions- und Entwicklungstools zu verwenden. Anforderungen sind aber bereichsübergreifend. Ohne eine zuverlässige und allgemein gültige Datenquelle ist es nahezu unmöglich, eine Gesamtansicht des Produkts zu erhalten. Aufgrund der Abhängigkeiten ist es ohne zuverlässige und allgemein gültige Datenquelle praktisch unmöglich, die kompletten Auswirkungen einer Änderung oder eines fehlgeschlagenen Tests zu identifizieren.

Keine Verknüpfung zwischen Anforderungen und Tests
Ein wichtiges Element der Anforderungsdefinition ist die Art und Weise, wie sie validiert wird. Wie lässt sich ohne eine Verknüpfung zwischen der Anforderung und einem Test feststellen, ob die Anforderung erfüllt wurde? Woher weiß man, was validiert wurde? Ohne Verknüpfung zwischen Anforderungen und Tests ist es äußerst schwierig, den Status des Produkts zu beurteilen. Wenn ein Test fehlschlägt, stellt die Zurückverfolgung zur Anforderung dann eine erhebliche Herausforderung dar.

Keine Verfolgbarkeit der Anforderungen durch den gesamten Entwicklungszyklus
Wenn eine Anforderung definiert wurde, dann aber nicht durch den gesamten Lebenszyklus verfolgt werden kann, ist es extrem schwierig, zu verstehen, wie sich Änderungen oder Probleme mit einer Komponente, einem Untersystem oder einem Produkt auf die Anforderungen auswirken oder welche Folgen geänderte Anforderungen für die laufende Arbeit haben. Darüber hinaus ist bei neuen Produkten mit ähnlichen Anforderungen die Identifizierung der Komponenten, die wiederverwendet werden können, mit erheblich höherem Zeitaufwand verbunden. Plattformkonstruktion und Entwurfsvarianten lassen sich ebenfalls deutlich schwieriger verwalten, wenn keine Verfolgbarkeit zwischen Anforderungen und den Lebenszyklusressourcen gegeben ist.

Keine Verfolgbarkeit für Funktionssicherheit oder Standards
Unternehmen, die Normen oder Vorschriften einhalten müssen, haben einen erheblichen Dokumentationsaufwand. Ohne ausreichende Anforderungsverfolgbarkeit müssen sie viel Zeit in die Vorbereitung der Unterlagen zum Konformitätsnachweis investieren. Für Unternehmen mit Verfolgbarkeit ist das Anfertigen von Berichten und auditfähigen Unterlagen als Compliance-Nachweis deutlich einfacher, da sie eine regulatorische Anforderung bis hinunter zu den kleinsten Details automatisch verfolgen und beweisen können, dass sie erfüllt wurde.

Unternehmen, die Best Practices für die Anforderungsverwaltung einhalten, um diese Herausforderungen zu bewältigen, werden ihre Projekte mit höherer Wahrscheinlichkeit erfolgreich zum Abschluss bringen. Dadurch kann die Rentabilität gesteigert werden.


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About the Author

Michelle Boucher

Michelle Boucher is the Vice President of Research for Engineering Software for research firm Tech-Clarity. Michelle has spent over 20 years in various roles in engineering, marketing, management, and as an analyst. She has broad experience with topics such as product design, simulation, systems engineering, mechatronics, embedded systems, PCB design, improving product performance, process improvement, and mass customization. Ms. Boucher is an experienced researcher and author and has benchmarked over 7000 product development professionals and published over 90 reports on product development best practices. She focuses on helping companies manage the complexity of today’s products, markets, design environments, and value chains to achieve higher profitability.