Alles unter Kontrolle: Mechanische Anforderungen effizient managen

Verfasst von: Denise Seidemann
  • PLM
  • 9/5/2019
  • Lesezeit : 3 Minuten
Agiles und effizientes Anforderungsmanagement

Kunden haben hohe Ansprüche und nur die besten Industrieunternehmen im Markt können sich langfristig durchsetzen. Es ist wichtig, sich nicht nur auf aktuelle Produkterfolge zu konzentrieren, sondern kontinuierlich Produkte zu verbessern, zu überdenken und so neue Innovationen an den Markt zu bringen. Sonst macht es die Konkurrenz.

"Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen."
Konfuzius, chinesischer Philosoph

Bei der Entwicklung vom innovativen und qualitativ hochwertigen Produkten ist eine durchgängige und transparente Dokumentation deshalb unerlässlich. Nur so ist es möglich, dass alle am Produktentstehungsprozess beteiligten Personen den gleichen Stand haben und optimal zusammen arbeiten können. Kosten und Risiken können von Beginn an besser abgeschätzt und kontrolliert werden.

Anforderungen nicht nur für die Software

Eine durchgängige Dokumentation beginnt bereits bei den Anforderungen, dabei ist es wichtig, dass alle am Produktentstehungsprozess beteiligten Personen Zugriff auf die Anforderungen haben. Nur so kann sicher gestellt werden, dass die geforderte Funktionalität auch in der benötigten Qualität geliefert werden kann. Anforderungsmanagement wird längst nicht mehr nur isoliert für Software genutzt, sondern zunehmend auch für andere Entwicklungsbereiche, wie Mechanik und Elektrik/Elektronik.

In der Mechanik werden meistens Product-Lifecycle-Management (PLM)–Systeme, wie Windchill von PTC, zur Verwaltung der produktrelevanten Daten, wie beispielsweise der CAD-Daten, eingesetzt. Dazu gehören auch die Anforderungen an das zu entwickelnde Produkt. Oft werden Anforderungen als PDF- oder Word-Dokumente an die Stückliste mit angehängt. Dazu kommen noch Normen, die eingehalten werden müssen.

Den Überblick behalten

Sich ändernde Anforderungen und neue technologische Möglichkeiten verlangen hier ein Umdenken, um weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können. 

Ein Lastenheft vom Kunden kann schnell mehrere tausend Anforderungen enthalten. Auf Basis dieses Lastenhefts beginnt die Produktentwicklung. Anforderungen werden verfeinert, es entstehen neue Dokumente. Eine Verlinkung zwischen den Dokumenten ist oft schwierig. Ein weiteres Problem ist das Nichteinhalten von geänderten Kundenanforderungen und den daraus resultierenden Konflikten bei der Abnahme der entwickelten Produkte. Im schlimmsten Fall verweigert der Kunde die Bezahlung, weil seine Anforderungen nicht korrekt umgesetzt wurden. Ein professionelles Änderungsmanagement und ein klar definierter Austauschprozess zwischen Kunde und Lieferant sind heute nicht mehr wegzudenken.

Professionelle Werkzeuge zur Verwaltung der Anforderungen, wie Windchill RV&S (vormals Integrity Lifecycle Manager) unterstützen hier. Anforderungen können strukturiert und versionsgenau abgelegt werden. Änderungen sind so nachvollziehbar und auf einen Blick ersichtlich. Die folgende Abbildung zeigt die Unterschiede zwischen zwei Versionen des gleichen Dokuments. Durch farbliche Markierungen werden geänderte, gelöschte oder neue Anforderungen dargestellt.

Agiles und effizientes Anforderungsmanagement

Durch die enge Verzahnung zum Testmanagement können Anforderungen direkt mit Tests verknüpft werden. Anpassungen der Anforderungen werden damit auch an den Testfällen gekennzeichnet. Ein integriertes professionelles Änderungsmanagement, das bei Impact Analysen unterstützt, erleichert Risiken- und Kostenanalysen. Mehr Details zu diesem Thema sind in dem Artikel „Wie man Komplexität in den Griff bekommt“ im ProduktDatenJournal beschrieben.

Doch die Durchgängigkeit hört bei Anforderungen und Tests nicht auf. Um eine ganzheitliche Sicht auf das zu entwickelnde Produkt zu bekommen, ist eine Verknüpfung der Anforderungen mit der Produktstruktur wichtig. Durch eine granulare Verknüpfung der einzelnen Anforderungen mit den Komponenten können Abhängigkeiten schnell erkannt und bei Änderungen entsprechend berücksichtigt werden.

Ausblick

Die Verknüpfung der Daten ist die Basis für neue Ansätze zur Erstellung und Validierung eines Produktes. Ergänzt um weitere Technologien wie Augmented Reality, kann beispielsweise die Reife der Anforderungen direkt im CAD-Modell sichtbar gemacht werden. Die folgende Grafik zeigt, wie so eine Anwendung ausehen könnte. Hierbei werden die Daten aus dem PLM-System mit den Anforderungen verknüpft. Testfälle, die mit diesen Anforderungen verbunden sind, werden in den entsprechenden CAD-Teilen sichtbar gemacht und je nach Ergebnis der ausgeführten Testfälle eingefärbt. So ist es möglich „auf einen Blick“ den Entwicklungsstand des entsprechenden Produkts zu erfassen.

 

Agiles und effizientes Anforderungsmanagement

Anforderungsmanagement ist die Basis, um die zunehmende Komplexität beherrschbar zu machen. Die Einbindung neuer Technologien wie Augmented Reality oder Künstliche Intelligenz erfordert eine solide Basis der am Produktentstehungsprozess beteiligten Daten, von den Anforderungen über die Software- und Hardware bis hin zur Validierung. Für den Betrieb und die Wartung eines Produktes sind diese Informationen eine wichtige Grundlage und werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

In unserem Webinar zum Thema "Anforderungsmanagement für die mechanische Produktentwicklung" am 24. September greift mein Kollege Oliver Böhm diese Themen auf und geht auf die Details ein. Sie sind herzlich eingeladen!

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Über den Autor

Denise Seidemann

Denise Seidemann beschäftigt sich bei PTC mit den Themen Systems und Software Engineering. Nach ihrem Informatikstudium sammelte sie Erfahrungen im Bereich Digitale Fabrik, sowie Anforderungs- und Software Engineering. Seit mehr als 5 Jahren konzentriert sie sich auf die Zusammenarbeit mit Automobilherstellern und Zulieferern im Bereich Anforderungs- und Testmanagement, sowie modellbasierter Systementwicklung (MBSE) zur Digitalisierung und Vernetzung von Daten, um die steigende Produktkomplexität zu managen.

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