Wirtschaftswunder D… igitalisierung

  • Industrial Internet of Things
  • 8/19/2019
  • Lesezeit : 3 Minuten
Digitalisierung als Antwort auf eine mögliche Rezession

„Anlass zur Sorge“ ist das Fazit der aktuellen KfW-Studie zum Stand der Digitalisierung im deutschen Mittelstand.1 Leider nichts Neues, dass wir aus irgendeinem Grund im globalen Vergleich hinterherhinken und Gefahr laufen, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Aber warum eigentlich? Deutschland, Land der Erfinder, hieß es doch. Das Auto, die Röntgenuntersuchung, der Buchdruck. Eine Revolution nach der anderen haben wir auf der Welt ausgelöst! Warum sind wir auf einmal kein Vorreiter mehr?

Im Folgenden begebe ich mich auf die Spuren von Erfindergeist und Disruption, um Impulse dafür zu finden, wie wir wieder auf der Welle der Innovation reiten können statt vermeintlich von ihr überschwemmt zu werden.

Die Stolperfalle der stetigen Optimierung

International bekannt sind die Deutschen vor allem für ihre fleißige Innovationsarbeit, für die stetige Optimierung der bestehenden Technologien. Seit jeher liegen wir ganz weit vorne, was die Zahl der eingereichten Patente angeht.2 Inzwischen hat sich allerdings auch herumgesprochen3, dass wir, was neue und insbesondere digitale Technologien angeht, etwas angestaubt sind.4 Fehlt uns auf einmal der Mut, die Zukunft zu gestalten? Sind wir nun innovativ oder nicht?

Wahrscheinlich lieben wir das Chaos und die Veränderung nicht ganz so sehr wie die opportunistischen und enorm geschäftstüchtigen Zeitgenossen in Asien und Nordamerika. Die „schöpferische Zerstörung“, die Joseph Schumpeter schon 1911 postulierte5, fällt uns schwer. Unsere Kollegen haben in der Zusammenarbeit mit deutschen Industrieunternehmen beobachtet, dass der Glaube an die Macht der Planung, die akribische Ableitung von Zukunftsprognosen, zum Stolperstein werden kann. Denn wer sich wirklich wandeln will, muss Raum für Unerwartetes und Unbekanntes lassen. Der Austritt aus der Komfortzone ist also nötig, um sich in veränderten Kontexten nicht selbst im Wege zu stehen.

Der Krise vorbeugen

Als ob das allein nicht schon unbequem genug wäre - nun auch noch eine drohende Rezession! Wie können wir uns denn wieder aufrappeln? Tatsächlich kann der Einsatz von digitalen Technologien die Effizienz von Produktion und Prozessen so signifikant steigern, dass digitalisierte Unternehmen unsichere Zeiten besser überstehen als weniger digitalisierte. Das hat eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zur Wirtschaftskrise 2008 / 2009 ergeben.6

Manch einen mag das noch einmal wachrütteln und beantworten, warum es den ganzen Hype um die Digitalisierung überhaupt gibt. Mindestens genauso wichtig ist die Tatsache, dass in unserer Region eben der Mittelstand das Zugpferd der Wirtschaft ist. Nur wenn der Mittelstand mitzieht, lässt sich die Wirtschaftskraft unserer Region erhalten. Wir bei PTC sehen unsere Verantwortung deshalb unter anderem darin, in den Dialog zu treten und gemeinsame mittelstandsspezifische Lösungen zu ermitteln. Gerne laden wir Sie dazu ein, Fragen zu Innovation und Digitalisierung auf dem 2. Forum Deutscher Mittelstand am 11. und 12. September in Stuttgart offen zu diskutieren.

Innovations- statt Finanzspritze

Die Handbücher, Leitfäden und Schritt-für-Schritt-Anleitungen schießen wie Pilze aus dem Boden und dennoch bleibt der große Wandel aus. Klarer Hinweis auf ein kulturelles Hindernis?

Auf der Suche nach Antworten, warum der Erfindergeist die Deutschen zu verlassen scheint, wenn es um digitale Technologien geht, ergibt schon eine kurze Recherche eine große Vielfalt von Kriterien, die als Einflussfaktoren von Innovation gehandelt werden:

  • Positive Fehlerkultur
  • Diversität
  • Politische Rahmenbedingungen (liberales im Vergleich zu sozialdemokratischem System)
  • Staatliche Förderung von Forschung in Bildungseinrichtungen, aber vor allem in Unternehmen und insbesondere dem Militär
  • Ausprägung von Innovationsnetzwerken, also etablierter Austausch zwischen Branchen und Sektoren

Die ultimative Innovationsanleitung gibt es aber noch nicht. Wird es vielleicht auch nie geben, denn jede Transformationsreise ist anders und kann sich von Unternehmen zu Unternehmen sogar sehr stark unterscheiden. Gerade die Umstellung auf neue Geschäftsmodelle erfordert ganzheitliche Betrachtungen und nicht zuletzt – neue Ideen! Ich bin davon überzeugt, dass wir dafür in der Region aber schon bestens ausgestattet sind. Wir müssen eigentlich nur damit loslegen. Warum nicht heute? Notizbuch oder Tablet aufklappen und erstmal Ideen sammeln. Die aktuelle Konjunktur gibt einen neuen Anstoß.

Und zum Schluss noch die richtig guten Nachrichten: Eine kürzlich von Microsoft durchgeführte Studie hat ergeben, dass bereits 88% der befragten Entscheider an IoT-Projekten arbeiten.7 Die Neugier ist also schon einmal da und wenn ich es mir so recht überlege, gehört Neugier vielleicht auch auf die Liste der Einflussfaktoren für Innovation.

Wie wir diesen Weg der Neugier weiter gehen und welche weiteren Faktoren gegeben sein müssen, damit wir uns auch in digitaler Hinsicht wieder Vorreiter nennen können, diskutieren wir dann gemeinsam mit unserem starken Partnernetzwerk auf dem 2. Forum Deutscher Mittelstand am 11. und 12. September in Stuttgart. Wir freuen uns auf neue Blickwinkel!

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Leseempfehlung zum Thema:
Klaus Schwab, 2013: On the Innovation of Nations (Link)

Weitere Quellen:
1 KfW Bankengruppe, 2019: KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2018 (Link)
2 World Intellectual Property Organization, 2018: World Intellectual Property Indicators 2017: Patents (Link)
3 GIZ, 2018: Germany in the Eyes of the World (Link)
4 The World Bank, 2016: Digital Dividends (Link)
5 Frank Arnold, 2012: Der Unordnungspolitiker (Link)
6 ZEW, 2017: Unternehmen mit hohem Grad an Digitalisierung sind für Krisenzeiten besser gewappnet (Link)
7 Microsoft, 2019: IoT Signals (Link)

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Mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen zum deutschen BIP hat sich die Sorge um eine bevorstehende Rezession verstärkt. Eine Optimierung der bestehenden Prozesse scheint vielen die richtige Antwort in turbulenten Zeiten - digitale Technologien werden hierbei zum Knackpunkt.