Digitalisierung und Nachhaltigkeit: die großen Paradigmenwechsel unserer Zeit

  • Industrial Internet of Things
  • 7/15/2019
  • Lesezeit : 3 Minuten
Wie die Digitalisierung zur Nachhaltigkeit der Industrie beiträgt

Ob Einsparungen bei Papier, Energie oder Wasser – die Digitalisierung bietet großes Potential für eine nachhaltigere Gesellschaft und Wirtschaft. Was können Industrieunternehmen tun, um den längst geforderten Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten? Alexander Heickel, Market Director bei PTC, gab mir im Interview einen Überblick.

Papierlose Prozesse – Haken dahinter?

Papier durch digitale Prozesse zu ersetzen fällt sofort als möglicher Beitrag für den Klimaschutz ins Auge. Wie gelingt diese Umstellung?

Weniger Papier, mehr Bäume, besseres Klima, das ist klar. Tatsächlich ist die Umstellung für viele Unternehmen aber gar nicht so einfach. Zum Beispiel gibt es in manchen Branchen wie der Prozessindustrie immer noch viele rechtliche Vorgaben, bei denen gewisse Arbeitsvorgänge in Papierform dokumentiert werden müssen. Hier muss also auch die Politik tätig werden. Papierlastige Prozesse bieten für keinen der Akteure Vorteile, es handelt sich also um Regulierungen, die einfach nicht mehr auf dem Stand der Zeit sind.

Wenn keine Regulierungen im Wege stehen, heißt es: Handeln. Während es in einigen Unternehmensbereichen wie Personal klar abgrenzbare Digitalisierungshilfen gibt (z.B. die digitale Variante der Gehaltsabrechnung), wird es in der Produktion ein wenig komplexer. Aber auch hier können neue Technologien wie Augmented Reality Abhilfe schaffen, denn Arbeits- und Wartungsanweisungen können somit virtuell gegeben werden. Auch digitale Unterschriftsprozesse werden somit erleichtert, denn mit der Technologie können die Prozesse direkt per Videoaufnahme dokumentiert werden. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, wie Technologien der Digitalisierung für nachhaltigere Prozesse eingesetzt werden können. Das nennen wir auch "Tech for Good".

Ressourceneffizienz durch zirkuläre Prozesse

Weitere Ressourcen wie Energie und Wasser zu sparen zahlt sich auch für jedes Unternehmen aus. Gibt es hier ebenfalls Hürden, die eine Umsetzung verhindern?

Es braucht ein paar Schritte, aber unsere Kunden sind immer wieder überrascht, wie schnell sich schon nach wenigen Wochen erste Ergebnisse realisieren lassen. Mithilfe von IoT-Lösungen und den entsprechenden Tools zur Analyse von Prozessdaten können Einsparpotentiale aufgedeckt werden. Der erste Schritt ist, Transparenz zu schaffen. Wie verlaufen die Energiekurven? Im zweiten Schritt helfen intelligente Analysetools bei der Identifizierung von Verbesserungspotentialen: Kann ich die Verbräuche über die 24 Stunden eines Tages anders lagern, um eine Nivellierung zu erreichen? Oder beim Wasserverbrauch: auch hier können Algorithmen wie zur Anomalie-Erkennung auf Leckagen hinweisen und somit die Behebung deutlich beschleunigen. Im dritten Schritt kann ich sogar noch weiter gehen und meine Betriebsdaten in Korrelation mit Umweltdaten bringen. Wenn ich beispielsweise weiß, dass den ganzen Tag die Sonne scheint, kann ich mir die Energie für Beleuchtung sparen.

Die Möglichkeiten sind wirklich enorm und wir nutzen sie leider noch viel zu wenig. Insgesamt hebt das IoT zum Beispiel auch zirkuläre Prozesse auf eine neue Ebene, also die Rückführung von Energie, Stoffen oder Materialien in die Produktion. Die Sicherheit für Gefahrenstoffe kann verbessert werden. Produkte können auch nachhaltiger und mit minimalem Ressourcenverbrauch konstruiert werden, wenn die Daten aus dem Betrieb wieder zurück an die Entwicklung gehen. Und durch Augmented Reality werden Reisen minimiert, da der Wissenstransfer von Standort zu Standort möglich wird.

Paradigmen zu ändern heißt Einstellungen zu ändern

Und jenseits der Produktion? Was können Industrieunternehmen tun, um in den anderen Unternehmensfunktionen für mehr Nachhaltigkeit zu sorgen?

Die große Herausforderung beim Klima- und Umweltschutz ist ja, dass wirklich jeder Einzelne mitmachen muss. Deshalb kann man nur empfehlen, die Mitarbeiter einzubinden, damit eine Kultur der Nachhaltigkeit entstehen kann. Bei PTC feiern wir deshalb zum Beispiel jedes Jahr die internationale Earth Week und binden über verschiedene Aktivitäten, sei es eine Spendensammlung oder eine Fahrradaktion, möglichst viele Mitarbeiter ein. Als Unternehmen können wir so auf das wichtige Thema aufmerksam machen und damit hoffentlich auch den ein oder anderen Mitarbeiter motivieren, im Privatleben noch ein Stück mehr an die Umwelt zu denken.
Auch im Ökosystem eines Unternehmens kann das übrigens funktionieren, indem Zertifizierungen oder Codexes als Voraussetzung für Geschäftsbeziehungen gesetzt werden.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Was braucht es denn, um die Wirtschaft gesamtheitlich auf Nachhaltigkeit und zirkuläre Prozesse auszurichten?

Durch die Digitalisierung entsteht ein ganz neues Momentum. Neue Geschäftsmodelle in der Shared Economy oder auch die intelligente Steuerung von öffentlichen Ressourcen wie in der Smart City oder durch Smart Grids bringen allesamt eine enorme Einsparung von Ressourcen. Man sieht also, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit wirklich Hand in Hand gehen können.

In diesem Interview widmeten wir uns den umweltbezogenen Aspekten der Nachhaltigkeit. Der Begriff lässt sich allerdings auch auf die gesellschaftliche und soziale Verantwortung von Unternehmen ausweiten. Wie Sie Ihre IoT-Projekte für die Gesellschaft als Ganzes nachhaltig gestalten, skizziert das World Economic Forum in den "Internet of Things Guidelines for Sustainability". PTC wirkte als technologischer Berater an der Erstellung mit. Eine Zusammenfassung der Aktivitäten, mit denen PTC unternehmerische Verantwortung übernimmt, finden Sie außerdem im aktuellen Corporate Social Responsibility Report.

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Über den Autor

Christian Gamber

Christian beobachtet in seiner Rolle als Market Strategist bei PTC globale und regionale Trends, disruptive Innovationen und das Marktgeschehen in Zentraleuropa. Mit seiner Erfahrung in der internationalen Managementforschung liefert er wichtige Einblicke, die unsere Sicht auf die Entwicklungen in unseren Kernmärkten schärfen.

Wenn er gerade mal nicht an Marktanalysen an seinem Schreibtisch arbeitet, verbringt er seine Freizeit gerne mit Schlagzeugspielen, Skifahren, Tennisspielen oder Reisen.

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