Digitale Zusammenarbeit: Herausforderungen internationaler Zusammenarbeit krisenfest begegnen

Verfasst von: Helén Orgis
  • 4/20/2020
  • Lesestoff : 4 min
Digitale Zusammenarbeit statt Einsatz vor Ort

Um das fragile Gleichgewicht von Produktions- und Lieferketten zu gefährden, bedarf es keiner bedrohlichen Erreger wie SARS oder aktuell COVID-19. Auch “normale” Grippewellen, Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche und selbst branchenspezifische Krisen wie die Flugverbote für die Boeing 737-MAX sorgen schnell für Reisebeschränkungen. Bei Geschäftsreisen sind Arbeitgeber angehalten, eine Dienstreise abzusagen, wenn dadurch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für ihre Mitarbeiter besteht.

Damit nicht alles zum Erliegen kommt, müssen in solchen Situationen WebEx- oder Skype-Konferenzen die persönliche Begegnung von Projektbeteiligten ersetzen. Diese Formen der digitalen Zusammenarbeit machen einen fortgesetzten Austausch internationaler Teams zwar möglich, lösen aber längst nicht alle Probleme. Zeitverschiebungen zwingen Teammitglieder unter Umständen, je nach Standort mitten in der Nacht präsent sein.

Fertigungs- und Wartungsarbeiten können nicht bis nach der Krise warten

Noch schwerer haben es Beschäftigte in der Industrie, deren Aufgaben ihre Präsenz vor Ort erfordern. Die Produktion von Gütern muss weitergehen. Reparaturen können nicht im Home Office ausgeführt, turnusmäßige Wartungsarbeiten – von denen gegebenenfalls die Betriebssicherheit von technischen Systemen abhängt – nicht auf die Zeit nach einer Krise verschoben werden.

Die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs zeigen das deutlich. Einschneidende Maßnahmen wie die Einstellung von Verkehrsverbindungen und die Schließung von Betrieben haben massive Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Angesichts der Just-in-Time-Prozesse einer global eng verzahnten Wirtschaft löst ein solcher “Shutdown” unweigerlich eine Kettenreaktion aus. Die Industrieproduktion wichtiger Güter wird zurückgefahren, Lieferketten werden unterbrochen, Reparaturen finden nicht statt.

Die fragile Verzahnung der Industrie scheint jedoch auch durch mangelndes Risikomanagement weiter gefährdet. So scheinen deutschen Unternehmen auf Entsendungen von Fachpersonal nicht optimal vorbereitet zu sein. In der 2019 durchgeführten Studie Chefsache Business Travel wird deutlich, dass deutsche Unternehmen noch Aufholbedarf im Hinblick auf professionelles Risikomanagement für Geschäftsreisen haben. Gerade einmal knapp über die Hälfte der befragte Führungs- oder Fachkräfte gab an für den Ernstfall bestens vorbereitet zu sein (siehe Grafik). Da die Ausgaben für Geschäftsreisen seit 2009 kontinuierlich steigen müssen wir uns fragen, wie viele dieser Reisen auch im Kontext der Nachhaltigkeit wirklich notwendig waren und ob es deutschen Unternehmen gegebenenfalls an Alternativen fehlt?

Risikomanagement bei Geschäftsreisen
Quelle: Statista

Digitale Zusammenarbeit weiter denken

In dieser Situation richtet sich die Aufmerksamkeit erstmals auf die technologischen Möglichkeiten von Augmented Reality, um nicht nur Kommunikation in Echtzeit wie über professionelle Videokonferenzsysteme zu ermöglichen, sondern die wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Krise durch kollaborative Remote Working Lösungen zumindest abzumildern. Industrial Augmented Reality ermöglicht echte Interaktivität und Zusammenarbeit von Experten an unterschiedlichen Orten. Beispiel Wartung: AR-Lösungen erlauben es Servicetechnikern, am Ort des Geschehens präsent zu sein, ohne dort physisch hinreisen zu müssen. Experten können Kollegen vor Ort oder Kunden anleiten und ihnen über Wearables, Tablets oder Smartphones den Zugriff auf ihr Fachwissen und detaillierte Anleitungen ermöglichen. Ihr Know-how ist damit dort verfügbar, wo es gebraucht wird und sichert im digitalen Zusammenarbeit die Ausführung unaufschiebbarer Arbeiten.

AR-Lösungen wie Vuforia Chalk verbinden Fachkräfte vor Ort und ihre Kollegen in anderen Teilen der Welt miteinander. Über einen geteilten Videostream sehen alle Beteiligten das betroffene System oder die Baugruppe. In Echtzeit können Nutzer per Touchscreen Notizen oder Markierungen in die Videobilder einfügen. Teams können so miteinander agieren, als stünden sie tatsächlich im selben Raum direkt nebeneinander.

Vuforia Chalk ist das “Leichtgewicht” unter den Industrial AR-Anwendungen: Um die Software nutzen zu können, bedarf es keiner speziellen Ausrüstung wie digitaler Brillen. Sie ist mit jedem Smartphone kompatibel und kommt mit einem relativ geringen Datenvolumen aus.

AR-Technologie hilft bereits heute, globale Risiken zu reduzieren

AR-Lösungen können zwar keine Naturkatastrophen verhindern oder das Corona-Virus heilen. Die Anwendung im medizinischen Bereich – etwa die Vernetzung physischer und virtueller Operationsteams für komplexe chirurgische Eingriffe – ist zwar technisch denkbar und wurde in Einzelfällen umgesetzt. Das stellt allerdings hohe Anforderungen an Datensicherheit und den Schutz der Privatsphäre.

Was Anwendungen wie Vuforia Chalk aber bereits heute können, ist, die wirtschaftlichen Auswirkungen von Krisen, die sich selbst bei lokaler Begrenzung schnell global auswirken können, einzudämmen. Digitale Zusammenarbeit kann, um beim Beispiel zu bleiben, dafür sorgen, dass aus einer medizinischen Krise keine umfassende Versorgungs- und Wirtschaftskrise mit Lieferengpässen bei lebensnotwendigen Gütern, einbrechenden Märkten, insolventen Unternehmen und Arbeitsplatzverlusten wird.

Durch die Investition in Technologien, die bei Bedarf die digitale Kooperation von Teams auch für produzierende Berufe ermöglicht und so die Funktionsfähigkeit von technischen Systemen und Fertigungsstätten erhält, können Unternehmen ihre Risiken signifikant abmildern und entscheidend dazu beitragen, zusätzliche Härten zu verhindern.

Internationale Kooperation auch im Krisenfall

Die aktuellen Ereignisse schärfen den Blick für die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg auch im Krisenfall zu gewährleisten. Dazu muss digitale Zusammenarbeit die physische Präsenz von Fachleuten im Ernstfall weitgehend ersetzen. Zwar wird internationale Zusammenarbeit nie ohne fachlichen und menschlichen Austausch auskommen. Das ist auch nicht wünschenswert, kann aber im Kontext von vorgesehenen Möglichkeiten zur Begegnung stattfinden. Doch längst nicht mehr jede Reparatur – die aufgrund enger Zeitpläne meist wenig Zeit für Austausch jenseits der akuten Situation lässt – wird die persönliche Präsenz eines Technikers oder Entwicklungsingenieurs erfordern.

Unsere Vuforia-Anwendungen sind Marktführer im Bereich Industrial Augmented Reality und sollen genau diese Kooperation über Distanzen hinweg ermöglichen. An ihrer Weiterentwicklung arbeiten weltweite Expertenteams. Im Fokus der Anwendungsmöglichkeiten steht vor allem die Möglichkeit, Experten-Knowhow in Echtzeit genau dort einzusetzen, wo es gebraucht wird – interaktiv und unabhängig vom Standort bestimmter Individuen oder Teams.

Fazit

Die Implementierung von Voraussetzungen für digitale Zusammenarbeit trägt dazu bei, im Krisenfall die Funktionsfähigkeit von Produktionsstätten oder Infrastruktur zu gewährleisten und Engpässe abzumildern. Auch im Kontext von Klima- und Arbeitsschutz ist die Reduzierung von zeitlich eng getakteten Dienstreisen, die für die Reisenden zudem oft Stress und gesundheitliche Belastungen mit sich bringen, wirtschaftlich, nachhaltig und verantwortungsbewusst.

In unserer Webinar-Aufzeichnung erfahren Sie, wie PTC Unternehmen in Zeiten von Social Distancing mit der Remote Assistance Lösung, Vuforia Chalk, konkret unterstützten kann.

Vuforia Chalk Webinar 
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Der Autor

Helén Orgis

Helen Orgis schloss ihr Wirtschaftsstudium an der Northumbria University mit Auszeichnung ab und hat einen Master-Abschluss in Corporate Communication von der Hochschule für Oekonomie & Management München. Ihre Leidenschaft für neueste Technologietrends und Innovationen geht auf ihre frühe Karriere zurück, wo sie bereits im Alter von 25 Jahren ein interdisziplinäres Transformationsprojekt bei einer der weltweit größten Versicherungsgesellschaften verantwortete. Sie ist eine erfahrene Digital Marketing Expertin und Technologie-Evangelistin.

In ihrer jetzigen Funktion als Head of Content Strategy & Digital Growth EMEA treibt sie die digitalen Wachstumsstrategien und Marketing Best Practices in Europa voran. Sie engagiert sich aktiv für mehr Frauen in der Technologiebranche und ist Co-Founderin von Zukunftsnarrative.com. Seit Februar 2019 ist sie aktives Mitglied des Digitalverbands Bitkom.

Helen’s Mission ist jeder Person und Organisation dabei zu helfen, von den neuen Technologien zu profitieren, individuelle digitale Kompetenzen aufzubauen und dadurch Zugang zur intelligenten, vernetzten Welt von Morgen zu erhalten.

Digitale Zusammenarbeit statt Einsatz vor Ort | PTC
Wie globale Krisen den Blick für Technologien zur Kooperation auf Distanz schärfen.