Folge 6: Cloud-PLM – nicht unerreichbar

Ein Podcast für Ingenieure, Designer und Entwickler.

The Connected Engineer: Folge 6: Cloud-PLM – nicht unerreichbar (Aufnahme ist auf Deutsch verfügbar)

Neben E-Mail, Datenspeicherung und alltäglichen Anwendungen wagt nun auch PLM den Schritt in die Cloud. Erfahren Sie, warum Unternehmen zu PLM in der Cloud wechseln, was die Hauptvorteile sind und wie Ingenieure davon profitieren.


Gavin: Willkommen bei "The Connected Engineer", einem Podcast für Ingenieure, Designer und Entwickler. Ich bin Gavin Quinlan, Ihr Gastgeber. Jede Woche lade ich Experten ein, um über aktuelle Herausforderungen in der Produktentwicklung sowie über die Trends von morgen zu sprechen. Unser heutiges Thema ist das Produktlebenszyklus-Management, kurz PLM, in der Cloud. Wie es scheint, befindet sich mittlerweile fast alles, mit dem wir interagieren, in der Cloud. Von den sozialen Netzwerken über Musikdienste, die wir auf unseren Smartphones nutzen, bis hin zu Anbietern, bei denen wir alle unsere peinlichen Urlaubsfotos sichern. In der Arbeit werden alle unsere E-Mails und Dateien in der Cloud gespeichert. An der Cloud führt kein Weg mehr vorbei. Und warum sollten wir das auch wollen, schließlich bietet sie zahllose Vorteile. Es ist also nur sinnvoll, dass auch beim PLM nun der Wechsel in die Cloud vollzogen wird. Ich begrüße heute Stan Przybylinski, Vice President Research von CIMdata, einem Vorreiter in Sachen PLM-Forschung, -Beratung und -Ausbildung. Hallo, Stan. Würden Sie sich bitte kurz vorstellen und uns etwas mehr über CIMdata erzählen?

Stan: Gern, Gavin. CIMdata gibt es schon seit Anfang der 1980er-Jahre. Wir sind ein strategisches Management-Consulting- und Marktforschungsunternehmen mit Schwerpunkt PLM. Unsere Definition ist dabei recht breit gefasst. Wir schließen all die Funktionen mit ein, die PTC und seine Konkurrenten bieten, aber auch eine Reihe von anderen Bereichen, die bislang noch nicht umgesetzt werden. Doch wir arbeiten mit Firmen wie PTC sowie Unternehmen in der Industrie zusammen, die Hilfe mit ihrer PLM-Strategie und der weiteren Vorgehensweise benötigen. Ich bin seit gut sechseinhalb Jahren Vice President Research bei CIMdata. Meine Hauptaufgaben betreffen die internationale qualitative und quantitative Marktforschung, die wir alljährlich durchführen. Bevor ich zu CIMdata kam, war ich sieben Jahre lang bei einem Ihrer Konkurrenten als Manager für Markt- und Wettbewerbsinformationen beschäftigt, davor kurz als Berater bei CIMdata, und davor 20 Jahre lang in der Luft-/Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie, vorwiegend im Bereich Software und F&E.

Gavin: Sie können also auf umfassende PLM-Erfahrung zurückblicken, Stan. Lassen Sie uns zunächst ein paar Begriffe rund um PLM und die Cloud klären, die wir für unser Gespräch brauchen. Begriffe wie Cloud und SaaS werden ja häufig synonym verwendet, bedeuten aber nicht dasselbe. Während wir PLM und die Cloud erläutern, können wir vielleicht ein paar Dinge durchgehen und für alle verständlich erklären.

Stan: Nun, die zentrale Aussage ist der Teil "as a Service". Hier gibt es verschiedene Ebenen. Es gibt dazu viele verschiedene Definitionen. Wir verwenden gern die Definition des U.S. National Institute of Standards and Technology (NIST), weil sie recht einfach ist. Die niedrigste Stufe ist "Infrastructure as a Service". Die meisten PLM-Anbieter sind sicher nicht auf dieser Ebene angesiedelt, denn hier wird wirklich nur die nackte Hardware bereitgestellt. Der Kunde muss selbst alles darauf installieren und konfigurieren. Viele Anbieter sind in der nächsten Kategorie tätig: "Platform as a Service". Wenn Sie beispielsweise eine Software nehmen und auf einer Plattform wie AWS ausführen, gehört das in dieses Modell. "Software as a Service" ist noch eine Stufe höher. Hier wird der Zugriff auf eine bestimmte Software als Service bereitgestellt. Sie wird nicht vor Ort bereitgestellt, wie es bei vielen Softwarelösungen heute üblich ist. Stattdessen stellen Sie den Zugriff darauf bereit, in der Regel über einen Web-Browser oder eine andere Benutzeroberfläche.

Gavin: Sie haben den Begriff "vor Ort" genannt. Können Sie den erklären? Was bedeutet das?

Stan: "Vor Ort" bedeutet, dass die Software auf einem lokalen Computer oder einem Server in Ihrem Unternehmen läuft. Lokal installierte Software, wie sie in vielen PLM-Bereichen gemäß der Definition von CIMdata vorherrschend ist.

Gavin: Zwei weitere Begriffe, die beim Thema PLM und Cloud immer wieder aufkommen, sind "einzelner Mandant" und "mehrere Mandanten". Vielleicht können Sie uns diese beiden Begriffe auch noch kurz erläutern.

Stan: Natürlich. "Einzelner Mandant" bedeutet, dass Sie einen eigenen Server für sich haben, dass also nur Ihre Software auf dem Server ausgeführt wird. "Mehrere Mandanten" bedeutet, dass Software für die Firmen A, B und C als unterschiedliche Mandanten läuft, also beispielsweise eine Datenbank mit mehreren Segmenten für verschiedene Kunden. Die Daten sind zwar voneinander getrennt, befinden sich aber in derselben Datenbank. Und noch wichtiger: Allen Benutzer stehen dieselben Funktionen zur Verfügung. Das ist ein zentraler Punkt bei der Ebene "Software as a Service": Sie erhalten zumeist ein einheitliches Produkt.

Gavin: Damit sollten wir eine hilfreiche Grundlage für unser Publikum haben. Wäre es korrekt, zu behaupten, dass PLM derzeit bei den meisten Organisationen noch vor Ort ausgeführt wird?

Stan: Ja. Nun ja, das Datenmanagement geht ja bis in die 1980er-Jahre zurück, als es für Teams oder größere Entwicklungsgruppen eingeführt wurde. Die heutigen Lösungen sind auf internationale Unternehmen ausgelegt. Aber das Konzept ist nach wie vor dasselbe. Die Kernsoftware wird in der Regel vor Ort ausgeführt und häufig von den Unternehmen im Rahmen einer lokalen Installation angepasst. Ein anderes großes Thema ist die Integration mit anderen Unternehmenssystemen und Datenquellen, aber auch mit Kunden und ggf. der Lieferkette.

Gavin: Ich verstehe. Welche Faktoren bewegen Organisationen dazu, auf die Cloud umzustellen?

Stan: Das ist tatsächlich einer der letzten Punkte, die ich gerade erwähnt habe: die komplexeren Wertschöpfungsketten und Kundenbeziehungen. Diese lassen sich mit einer cloudbasierten Lösung viel einfacher verwalten als innerhalb der eigenen Firewalls. Ein großer Vorteil sind die niedrigeren Einstiegskosten. Ich bin jetzt seit mehr als 20 Jahren in diesem Bereich tätig, und bisher lagen die Einstiegskosten bei einer halben bis ganzen Million US-Dollar. Aber nun... Das ist das Interessante an diesem Segment. Mittlerweile lässt sich der Einstieg mit einer privaten Kreditkarte finanzieren. Ein Anruf: "Ich möchte etwas ausprobieren. Ich kaufe vier Arbeitsplätze für ein paar Monate." Das ist mit einer privaten oder geschäftlichen Kreditkarte problemlos möglich. Das ist eine äußerst interessante Entwicklung, denn es verändert, auf welcher Ebene die Entscheidung über den Einstieg getroffen wird. Dasselbe gilt für die niedrigeren Einstiegskosten. Der Einstieg ist ganz langsam oder aber auch sehr schnell möglich, wie Sie möchten.

Gavin: Ich nehme an, diese niedrigeren Einstiegskosten bedeuten bei einem solchen Test auch eine schnellere Wertschöpfung.

Stan: Ja. Aber natürlich nur, wenn man bei der Sache bleibt. Sie müssen immer das Ziel im Auge behalten – die Prozesse, die Daten und die Zusammenarbeit, die Sie ermöglichen möchten. Aber das sollte sehr viel schneller möglich sein, weil es keine technischen Hürden mehr gibt.

Gavin: Stimmt. Und das gibt einem auch die Flexibilität, wenn es gut läuft, den Umfang zu vergrößern, und wenn es weniger gut läuft, das Ganze zu verkleinern.

Stan: Genau so ist es. Und das ist in vielen Firmen notwendig, weil die Projekte so flexibel sind. Insbesondere bei Unternehmen, die auf Projektbasis arbeiten, kommen immer neue talentierte Mitarbeiter für verschiedene Bereiche. Diese neuen Mitarbeiter schnell, ohne Hilfe der IT und ohne all diese Probleme unterstützen zu können, ist ein enormer Vorteil für eine Vielzahl von Unternehmen.

Gavin: Stimmt. Damit stellt sich eine weitere gute Frage. Welche Rolle spielt die IT bei dieser Cloud-Strategie? Verändert sich lediglich ihre Rolle bei der Unterstützung der Plattform?

Stan: Das ist in jedem Unternehmen unterschiedlich. In manchen Firmen verwaltet die IT tatsächlich die PLM-Implementierung. Viele Unternehmen haben eine eigene IT-Abteilung für die technische Entwicklung, die mehr oder weniger gut mit der Unternehmens-IT zusammenarbeitet. Es gibt eine Vielzahl verschiedener organisatorischer Arrangements, und diese Lösung kann das Ganze etwas entlasten. Ich habe immer gesagt: Bei PLM geht es nicht um Produkte, sondern um Politik. Die IT-Politik spielt eine wesentliche Rolle bei der Cloud. Viele Leute glauben, dass daher die Verzögerungen kommen: Weil die IT ihre Budgets hat und sich weigert, aus Angst, die Budgets könnten gekürzt werden, wenn kein eigener Server mehr in Betrieb ist und lediglich Lizenzen für Software erworben werden, die an einem anderen Standort ausgeführt wird.

Gavin: Stimmt. Das ist sicher der offensichtlichste Grund. Einerseits werden die Einstiegskosten geringer, andererseits sind auch keine großen laufenden Hardwareanschaffungen nötig.

Stan: Ja, Sie müssen nicht viel Hardware kaufen, die sofort an Wert verliert. Es gibt viel zu bedenken, und wenn alles richtig gemacht wird, gibt es kaum lokale Installationen. Das ist ein enormer Kostenfaktor, der wegfällt.

Gavin: Ja, und dazu noch die Rollout-Kosten und der Zeitaufwand.

Stan: Rollout-Kosten, Migrationskosten usw. Wenn alle mit demselben zugrunde liegenden Code arbeiten, ist die Migration kein Problem. Bei den meisten Anwendungen gibt es ständig Migrationen. Bei Facebook und anderen Plattformen tauchen plötzlich neue Schaltflächen und andere Elemente auf der Benutzeroberfläche auf. Bei SaaS-Modellen sollte das also keine große Schwierigkeit darstellen, und das macht den Leuten vor Ort Sorgen.

Gavin: CIMdata hat sich, wie ich finde, intensiv mit Softwareanbietern und deren Plänen auseinandergesetzt. Welche Ergebnisse haben Sie im Hinblick auf die Anzahl bzw. den Anteil der Kunden, die die Umstellung bereits vollzogen haben oder diese ernsthaft planen. Können Sie uns dazu etwas sagen?

Stan: Wir haben vor einigen Monaten ein Projekt mit PTC und einigen Wettbewerbern im PLM-Bereich gestartet, bei dem es um die Cloud-Übernahme ging. Bei der Übernahme von Unternehmenssystemen wie ERP und CRM gehen einige Experten von 20 % oder sogar 25 % des Unternehmensmarktes aus. Im Bereich PLM ist die Übernahme, selbst wenn man alles zusammenzählt, weit von solchen Werten entfernt. Wo liegt also der Unterschied? Wir wollten Organisationen, die PLM einsetzen, dahingehend untersuchen, ob sie bereits die Cloud nutzen. Ich habe einige Daten dazu vor mir liegen. Mittlerweile sind mehrere Hundert Antworten eingegangen. Mehr als 35 % der Unternehmen verwenden bereits cloudbasierte Lösungen. Am häufigsten ist dies Salesforce. Die Cloud wird also genutzt, allerdings nicht bzw. kaum im Bereich PLM. Doch es gibt viele Nutzer und auch viele Anbieter. Nur die kritische Masse ist eben noch nicht erreicht.

Gavin: Wurde bei der Marktforschung auch der geplante Übergang untersucht?

Stan: Ja, wir führen dazu weltweit eine Veranstaltung durch, das PLM Market & Industry Forum, zu dem wir Vertreter von führenden Anbietern wie PTC sowie von Systemintegratoren einladen. Außerdem führen wir Befragungen von Leuten durch, die guten Einblick in den Vertrieb und die Probleme ihrer Kunden haben. Wir möchten wissen, welcher Anteil ihrer Kunden die Cloud bereits verwendet oder ihre Verwendung plant. Und immerhin denken fast 45 % zumindest ernsthaft darüber nach. Dann stellten wir dieselbe Frage mit dem Zusatz: "Wenn so viele Unternehmen jetzt zögern, wie wird die Situation in drei Jahren sein?" Dann werden nur noch 18 % zögern. Alle anderen werden dann die Umstellung vorantreiben oder bereits hinter sich haben. Die Leute machen sich also jetzt bereit, denke ich.

Gavin: Sehr gut. Ich möchte auf das Zögern eingehen, das Sie erwähnt haben. Aus meiner persönlichen Sicht aus der Arbeit mit Entwicklungsorganisationen, die in der Regel eher klein sind, weiß ich, dass es dort immer erhebliche Vorbehalte gegen die Speicherung des geistigen Eigentums außerhalb des eigenen Unternehmens gab. Es gab ständig Diskussionen darüber, ob sie nicht außerhalb sogar sicherer sind als innerhalb. Wie ist denn da die Meinung?

Stan: Nun, die Sicherheit ist eine wichtige Frage. Unglücklicherweise bedeutet jeder Vorfall im Zusammenhang mit der öffentlichen Sicherheit für cloudbasierte Produkte, ob sie nun daran beteiligt waren oder nicht, einen kleinen Rückschritt. Ich sage den Leuten immer, dass die Sicherheit solcher Lösungen erheblich besser ist, weil schon vor der Software mehrere Schichten sind und jeder an der Sicherheit arbeitet. Die Anbieter investieren mehr, als es ein kleines Unternehmen je könnte, und sie haben keine Rechner mit USB-Anschlüssen auf dem Schreibtisch, die sie einfach einstecken könnten, um die Daten zu kopieren, und sie übertragen auch keine Dateien per E-Mail. Die Sicherheit ist also eine bedeutende Frage. Aber wenn man wirklich darüber nachdenkt, muss man zugeben, dass sie eigentlich kein wirkliches Problem ist. Es gibt einige technische Aspekte, aber nichts, was nicht zu bewältigen wäre.

Gavin: Ein anderer Aspekt dürfte sein, dass viele Menschen denken, dass Cloud-Lösungen immer eine Einheitslösung sind. Wie bei der Benutzeroberfläche eines sozialen Netzwerks. Die ist auch für alle Nutzer identisch. Können Sie unser Publikum in diesem Punkt beruhigen oder ist die Situation tatsächlich so?

Stan: Nun, es gibt einen Unterschied zwischen einer maßgeschneiderten Lösung und einer Anpassung. Selbst Dinge wie Facebook lassen sich anpassen. Man kann Nutzer ausschließen und bis zu einem bestimmten Grad steuern, was angezeigt wird. Dasselbe gilt bei Software as a Service, sei es mit einem Mandanten oder mit mehreren. Sie können das Aussehen also Ihren Wünschen entsprechend anpassen. Sie können bestimmte Funktionen hervorheben und andere unterdrücken, je nach Benutzer. Innerhalb der Vorgaben des Softwareanbieters gibt es also noch einige Möglichkeiten. Der Softwareanbieter muss diese Möglichkeiten für Sie einplanen. Bei einer lokalen Installation können Sie, wenn Sie das nötige Kleingeld haben, einen Systemintegrator beauftragen. In diesem Fall sind Ihren Wünschen nahezu keine Grenzen gesetzt.

Und das ist einerseits gut für PLM, andererseits aber auch schlecht, weil so Instanzen und Implementierungen entstehen, die sich nicht mehr bewegen lassen. Das ist eine Art Sackgasse. Die Denkweise "Man soll nicht reparieren, was nicht kaputt ist". Und es ist schwierig, den Absprung zu schaffen, weil man ja eine funktionsfähige Lösung hat. Man legt sich also ein für alle Mal fest. Diese Entscheidung muss proaktiv getroffen werden. Mein Eindruck ist, dass ein Wechsel nur dann stattfindet, wenn es andere betriebliche Druckfaktoren gibt. Wenn ein flexibleres Arrangement oder schnellerer Support benötigt wird. Die Cloud punktet in diesen Bereichen. Wie es scheint, kommt Bewegung in die Sache, weil die strikten technischen Beschränkungen im Hinblick auf Dateigröße und Ähnliches von einigen Anbietern überwunden wurden. Das ist heute lange kein so großes Problem mehr wie früher.

Gavin: Genau. Das Internet ist leistungsfähiger, es ist mehr Bandbreite verfügbar usw. Kommen wir nun zur Habenseite. Das wären die Vorteile für das Unternehmen insgesamt. Teilweise haben wir die ja schon bei den Gründen besprochen. Welche Vorteile genießen Mandanten und Kunden, die die Umstellung wagen?

Stan: In den 1980ern und 1990ern hieß es in Strategiepapieren, man solle sich auf die Kernkompetenzen konzentrieren. Leider sind viele Unternehmen im IT-Geschäft, obwohl das nicht ihre Kernkompetenz ist. Mit diesem Ansatz kommen Sie heraus aus dem IT-Geschäft. Je nach Ebene müssen Sie vielleicht noch einen gewissen Support leisten, aber in jedem Fall deutlich weniger, als wenn Sie eigene Server betreiben und Software lokal auf den Servern und auf Clientrechnern im Gebäude installieren. Das bedeutet eine spürbare Entlastung in diesem Bereich. Sie können dadurch deutlich flexibler agieren. Vor fast 20 Jahren, als ich in dieser Branche anfing, kauften Unternehmen für ihre Implementierungen die gesamte Software, die sie benötigen würden, im Voraus, weil sie dann bessere Konditionen erhielten.
Davon ist man abgekommen. Heute wünscht man mehr Flexibilität. Und dieses Modell bietet ultimative Flexibilität. Sie können 10 Arbeitsplätze nehmen. Sie können 20 Arbeitsplätze nehmen. Ein PTC Kunde sprach über die Möglichkeit, schnell neue Instanzen aufzusetzen, um etwas auszuprobieren. "Wir haben hier dieses Projektteam. Wir sollten unsere Implementierung erweitern, um auch diesen Aspekt der Projektverwaltung oder der Zusammenarbeit abzudecken. Wir brauchen eine Instanz. Ich brauche für diese Leute 20 Lizenzen für drei Monate." Bei einer Vor-Ort-Installation war das ein großes Problem. Jetzt lässt sich das ganz einfach aufsetzen und für den gewünschten Zweck verwenden. Sobald die benötigten Erkenntnisse gewonnen wurden, können Sie alles einfach wieder abschalten, wenn Sie möchten.

Gavin: Das finde ich nur logisch. Wie schon gesagt, diese Möglichkeit zum schnellen Aufsetzen sollte sich auch in einer schnelleren Wertschöpfung oder einer kürzeren Time-to-Market bemerkbar machen, denke ich.

Stan: Ja, die Implementierung ist allerdings immer noch dieselbe. Bei CIMdata sprechen wir in diesem Zusammenhang von Menschen, Prozessen und Technologie. Die Technologie fällt bei diesem Ansatz als Problem weg. Sie müssen aber immer noch für die richtigen Prozesse sorgen. Und Sie müssen mit Ihren Mitarbeitern arbeiten. Diese Aufgabe müssen PTC und seine Fachhändler fortsetzen, denn hier brauchen Sie auch in Zukunft dringend Unterstützung. Wir haben über Facebook gesprochen, aber Facebook und PLM sind grundverschieden. Beides ist Software as a Service, beides ist Software, aber mit PLM-Software lassen sich sehr viel mehr Probleme lösen.

Gavin: Ich denke, das hängt ein bisschen von den Problemen ab. Zurück zum Alltag. Die geschäftliche Seite liegt auf der Hand: raus aus dem IT-Geschäft, schnelles Aufsetzen, schnellere Inbetriebnahme. Lauter wirklich greifbare Vorteile für das Unternehmen. Aber was ist mit den einzelnen Mitgliedern des Produktentwicklungsteams? Was ist mit den durchschnittlichen Zuhörern unseres Podcasts? Wie würden sie von einer Cloud-Bereitstellung profitieren?

Stan: Ein großer Vorteil ist, dass sie bei Bedarf jederzeit auf benötigte Ressourcen zugreifen können. In einer lokalen Umgebung kann es äußerst schwierig sein, den Nutzern neue Funktionalitäten zur Verfügung zu stellen, insbesondere, wenn es nur vorübergehend ist. Früher hieß es: "Ich möchte das verwenden. Ich brauche eine lokal installierte unbefristete Lizenz." Damit war man gezwungen, einen Wartungsvertrag über einen gewissen Zeitraum abzuschließen und zu bezahlen. Heute heißt es: "Ich möchte diese CAM-Software verwenden" oder "Ich möchte diese Software für erweiterte Realität ausprobieren" oder auch etwas anderes, weniger kompliziertes. Damit sind wir wieder beim Entscheidungsprozess. Es hängt vom Unternehmen ab. Aber dank entsprechender Möglichkeiten fällt die Entscheidung oft viel leichter und kann auf einer niedrigeren Ebene getroffen werden. Und jede Minute, die Ingenieure nicht für IT-Aufgaben aufwenden müssen, können sie für Innovationen nutzen. So wie die Systeme konzipiert wurden, besteht das große Problem für Ingenieure immer im Datenmanagement. Es ist ein wirkliches Ärgernis, das den Arbeitsfluss unterbricht. Und die Ingenieure sind kreative Leute, man sollte sie also nicht allzu sehr verärgern.

Gavin: Ja, bis sie die falsche Zeichnung abrufen.

Stan: Genau. Aber das ist ja das Problem. Man ruft aus Versehen die falsche Zeichnung auf und schon sind ein paar Arbeitsstunden verloren. Die Systeme sind besser geworden. Und mit der Cloud lässt sich das alles sehr viel effektiver verwalten. Dadurch sollte ihr Leben einfacher werden. Ein anderer wichtiger Punkt ist der Zugriff auf neue Versionen der Software, die Sie ständig nutzen. Für die Bereitstellung vor Ort gibt es Roadmaps, die in der Regel zwei bis drei Versionen hinter der aktuellen Version herhinken. Wenn neue Funktionen erscheinen, wissen wir ja, wie Softwarefirmen funktionieren. Sie möchten, dass die Software lokal ausgeführt wird und die Nutzer neuere Versionen verwenden, also stellen sie die neuen Funktionen nur in den neueren Versionen zur Verfügung. Das gibt es in diesem Fall nicht. Sie können darauf zugreifen, und zwar relativ schnell nach dem Erscheinen.

Gavin: Aus Erfahrung weiß ich, dass wir PLM selbstverständlich immer zuerst in der technischen Entwicklung bereitgestellt haben. Die Leute dort hatten am meisten damit zu kämpfen, die richtigen Versionen zu verwenden und die richtigen Komponenten an Zulieferer usw. zu schicken. Wir wollten ihnen unbedingt klarmachen, dass ihre Daten im restlichen Unternehmen sehr viel effizienter genutzt werden könnten. Und ich denke, eine Cloud-Bereitstellung wäre ebenfalls hilfreich für die Einführung außerhalb der technischen Entwicklung.

Stan: Oh ja, ganz bestimmt. Die Wertschöpfungsketten zwischen Zulieferern und Kunden sind mittlerweile äußerst dynamisch, insbesondere im Zusammenhang mit intelligenten, vernetzten Produkten. Das Schöne an all diesen Dingen ist... Früher arbeitete man in der Produktentwicklung doch nach dem Fire-and-forget-Prinzip, richtig? Man entwickelte ein Produkt. Es hatte einen gewissen Funktionsumfang und war auf eine bestimmte Zielgruppe ausgelegt. Nach der Markteinführung bekam man ein bisschen Feedback über Retouren, Gewährleistungsansprüche oder Beschwerden. Heute hingegen wissen wir genau, wie die Produkte verwendet werden. Die Cloud erleichtert diese Kommunikation und das Datenmanagement sehr und ermöglicht darüber hinaus die Übernahme in kleinen Schritten. "Ich habe diese Funktion, jetzt bin ich bereit für das IoT" oder "Ich bin jetzt bereit für weitere Funktionen" oder auch "Ich verfüge über Service-Außendienst". "Ich verlagere mich vom Verkauf von Produkten mehr auf den Verkauf von Ersatzteilen" oder "Ich möchte etwas Neues ausprobieren". Mit einer cloudbasierten Lösung ist es sehr viel einfacher, Ihre Vision für das Unternehmen und Ihr Portfolio zu erweitern.

Gavin: Ja, das liegt an ihrem Workflow. Und wie Sie sagten, aus meiner persönlichen Erfahrung heraus finde ich, dass der Zugang zu Upgrades oder neuen Versionen eines Produkts wirklich sehr hilfreich sein kann. Unser Publikum ist leider ziemlich verwöhnt. In den letzten Ausgaben waren Kunden und Kollegen hier, die von ihren Erfolgen und darüber berichtet haben, wie sie die verfügbare Technologie besser genutzt haben. Haben Sie ein Beispiel für ein Unternehmen, das den Wechsel vollzogen hat? Wenn Sie den Namen nicht nennen möchten, verstehe ich das, aber vielleicht können Sie das Unternehmen kurz beschreiben und auf die Vorteile eingehen, damit sich das Publikum etwas darunter vorstellen kann?

Stan: Ja, ich habe ein Unternehmen befragt. Den Namen darf ich nicht sagen. Es handelt es sich um ein großes nordamerikanisches Unternehmen in der Verbrauchsgüterindustrie, das schon seit einiger Zeit cloudbasierte Lösungen von PTC nutzt. Kürzlich hat es die Implementierung massiv erweitert, nutzt aber eure cloudbasierten Lösungen schon länger. Für das Unternehmen bedeutet das eine schnellere Wertschöpfung und eine sehr viel einfachere, phasenweise Implementierung für die verschiedenen PTC Produkte, die es implementiert. Es verzeichnet signifikante Vorteile für seine Benutzer, insbesondere im Hinblick auf eine schnellere Übernahme. Ich kann Ihnen aber keine Zahlen nennen.

Gavin: Ich verstehe. Sie haben unseren Zuhörern Einiges zum Nachdenken darüber gegeben, ob sie PLM im Kernunternehmen implementieren oder es in der Cloud neu bereitstellen sollen. Stimmt es, dass CIMdata spezielle Schulungsprogramme für Best Practices für PLM bietet? [Störgeräusche]

Stan: Ja, wir bieten ein PLM-Zertifizierungsprogramm an. Bei den meisten unserer Veranstaltungen geht es um Best Practices. In Kürze planen wir die Veranstaltung "PLM Road Map". Dort sprechen erfahrene Leute über ihre Arbeit rund um PLM-Technologie und -Prozesse. Das ist eine tolle Möglichkeit zum Austausch. Und dann haben wir noch die Zertifizierungsprogramme, die ich erwähnt habe. Darüber hinaus unterstützen wir Industrieunternehmen mit Workshops und ähnlichen Veranstaltungen dabei, den Einstieg zu finden.

Gavin: Damit sind wir am Ende dieser Episode von "The Connected Engineer". Ein großes Dankeschön an Stan dafür, dass er heute hier war und uns einen interessanten Überblick und viele nützliche Informationen über PLM und die Cloud gegeben hat. Wie die Beispiele aus unserem Alltag zeigen, in denen die Cloud zuverlässig im Einsatz ist, ist PLM in der Cloud ein Bereich, der sich durchsetzen wird und wo die Cloud erhebliche Vorteile gegenüber einer Vor-Ort-Installation bieten kann. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bitte abonnieren Sie auch unseren Podcast. Wir freuen uns, Sie bei der nächsten Folge wieder begrüßen zu dürfen.