Verstärkung für den digitalen Faden

Verfasst von: Christoph Bräuchle
  • 9/21/2022
  • Lesezeit : 5 min
Codebeamer

Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt und seiner Wartung: Die Entwicklung, Nutzung und der Service eines Fahrzeuges sind komplex, lassen sich aber gut digital begleiten. Denn der Softwareanteil an automobilen Innovationen und der Wertschöpfung ist gewaltig gestiegen. Und damit die Relevanz von Daten entlang des gesamten Lebenszyklus‘. Nur werden diese entweder zu wenig genutzt oder ineffektiv mit fragmentierten Software-Tools. Das geht besser.

Das Digitale wird physisch

In der Automobilbranche zeigt sich im Brennglas, wohin die Reise geht: Das Produkt wird gewissermaßen um seine Software herumgebaut. Sie ist der Kern. Gleichzeitig ist es die Entwickler-Software, die „hardwareseitig“ für Innovationen sorgt. Die Elektrifizierung des Antriebes, Assistenzsysteme und (teil)autonomes Fahren – ohne Software undenkbar.
Das ist ein entscheidender Paradigmenwechsel, der sich branchenübergreifend in der vergangenen Dekade bei Hightech-Produkten durchgesetzt hat: Das Digitale wird physisch. Klingt erstmal abstrakt, bringt die Entwicklung aber auf den Punkt: Produkt-Engineering verschmilzt mit Software-Engineering.

ALM reduziert die Komplexität der Entwicklungsaufgabe

Angesichts softwaregetriebener Innovationen, Digitalisierung und Elektrifizierung ist die Entwicklung von Autos innerhalb der letzten zehn bis 15 Jahre drastisch komplexer geworden: Fahrzeuge sind heute variabler, individueller, „konnektiver“, intuitiver und nachhaltiger, was für Ingenieure eine neue Dimension bedeutet. Eine, deren Komplexität sich wiederum durch moderne Application Lifecycle Management (ALM)-Tools sehr gut bewältigen lässt.

Durch ALM-Werkzeuge entsteht ein standardisiertes System für die Zusammenarbeit zwischen Software-Entwicklungsteams sowie allen anderen Abteilungen, wie etwa Test und Betrieb. Damit lassen sich zudem Teile der Software-Entwicklung und -Bereitstellung automatisieren. Was wiederum die Zeit von der Produktkonzeption und –entwicklung über die Herstellung bis zur Markteinführung verkürzt und die Kosten senkt. Der Markt erwartet heute schnelle Innovationszyklen statt mitunter jahrelanger Entwicklung wie bisher. Neue Features und Funktionen erreichen Fahrzeuge Over-the-Air im Monatstakt. Sprich: Ausentwickelt ist ein Auto nie.

Ein Tool für alle Entwicklungsschritte und Stationen im Leben eines Fahrzeuges

Alle Lösungen, die den Lebenszyklus eines Produktes begleiten, bilden zusammen den digitalen Thread. Der „digitale Faden“ verbindet dabei kontinuierlich sämtliche Datenflüsse und sorgt dafür, dass relevante Informationen, etwa zu Testungen, Fertigungseffizienz oder anstehenden Wartungen, sichtbar werden. Dieser Faden hat nun eine wesentliche Verstärkung erfahren: Die ALM-Plattform Codebeamer ist jetzt Teil des digitalen Threads von PTC, womit agil arbeitende Entwicklerteams ein intuitiv zu bedienendes Werkzeug zur Verfügung steht, mit dem sie unter anderem das Anforderungs-, Risiko- und Testmanagement einfach, sicher und schnell handhaben können.

PTC hatte unlängst Intland Software, das Codebeamer entwickelt und vermarktet, übernommen, um seine ALM-Expertise in sicherheitskritischen und regulierten Branchen zu vertiefen. Wie etwa Automotive, Life Science, Unterhaltungselektronik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie der Halbleiterindustrie, die ihrerseits die hohen Sicherheits- und Entwicklungsstandards der Autoindustrie adaptiert. Branchengrößen wie BMW, Mercedes und Volkswagen sowie maßgebliche Zulieferer und Chiphersteller nutzen dieses Tool bereits.

Die PTC-Lösung Windchill RV&S (auch bekannt als PTC Integrity) ist weiterhin verfügbar, so dass Anwender ihre Produkte kontinuierlich mit diesem ALM-Tool begleiten können. Eine Migration auf Codebeamer ist natürlich möglich und sollte, je nach Arbeitsweise der Entwicklerteams, erwogen werden.

Neue Anforderungen in der Automobilentwicklung erfordern neue Antworten. Das All-in-One-Tool ist die Antwort auf die Frage, wie international arbeitende Entwicklerteams mit rasanten Innovationszyklen, hohen Sicherheitsstandards und Compliance-Anforderungen nicht nur Schritt halten, sondern dem Wettbewerb einen Schritt voraus sein können.

Was Codebeamer einzigartig macht, ist, dass in einer Plattform webbasiert alle relevanten Entwicklungsschritte und Stationen im Leben eines Fahrzeuges abgebildet und für Nutzer nachvollziehbar werden. Von den Entwicklungsanforderungen über die Softwareentwicklung, DevOps, die Qualitätskontrolle und das Risikomanagement bis zur Testung. Zeigen sich etwa bei Tests Fehler, werden allen Nutzern verbesserungswürdige Bauteile angezeigt, was mühsame Telefonate erspart oder gar verhindert, dass sicherheitsrelevante Informationen verloren gehen. Sozusagen Safety by desgin. Sekundenschnell lässt sich nachvollziehen, wie fortgeschritten Tests sind, welche Anforderungen bereits erfüllt wurden und welche nicht. Jeder kann auf jeder Ebene der Fahrzeugentwicklung sehen, auf welchem Stand sie steht. Anforderungen, Spezifikationen und Konstruktionsdaten werden automatisiert zwischen mehreren Teams und Lieferanten ausgetauscht.

In dieser Form neu ist die Einbettung einer effizienten Compliance in die tägliche Engineering-Praxis. Das zusammen mit Tools, die einen kompletten Einblick in Risikobewertungen und Sicherheitsintegritätsstufen bieten, um in jedem Entwicklungsschritt kontinuierlich die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu garantieren und nachvollziehbar zu machen. Das vermindert den Zeit- und Kostenaufwand für die Produktverifizierung und die Tool-Validierung erheblich. Eine 360°-Rückverfolgbarkeit von der Idee bis zum freigegebenen Produkt ist garantiert. Vor allem aber: Risiken werden permanent neu bewertet. Denn jede neue Entwicklungsanforderung kann sich auf die Sicherheit des Gesamtsystems auswirken. So wird auch das Sicherheitsmanagement agil, was künftig essenziell sein wird.

Für die Branche wesentlich: Codebeamer bietet agiles ALM für die Entwicklung eingebetteter Automobilsysteme und die Einhaltung von ISO 26262, IEC 61508, Automotive SPICE und CMMI.

Das Ende innovationsfeindlicher F&E-Silos

Das Tool ermöglicht die reibungslose vollständige virtuelle Zusammenarbeit verstreuter Teams, was in Zeiten von Reisebeschränkungen fast schon zwingend ist. Gleichwohl lassen sich Zugriffsrechte klar bestimmen und kontrollieren. Vor allem aber werden alle Entwicklungstools vernetzt, so dass Teams ein zentraler Entwicklungs-Hub zur Verfügung steht. Ein entscheidender Vorteil, der letztlich darüber entscheidet, ob innovative Produkte entstehen, die es in F&E-Silos, wie sie immer noch in der Industrie vorherrschen, schwer haben. Stattdessen unterstützt Codebeamer gängige Formen des agilen Projektmanagements wie Scrum oder Kanban.

Den Code zeichnet übrigens eine sehr moderne Softwarearchitektur aus. Das muss auch so sein. Denn als cloudbasierte Lösung muss sie möglichst einfach nutzbar sein und Updates Kunden schnell zur Verfügung gestellt werden. Geschwindigkeit entscheidet über Vorsprung durch Innovation.

Die Lösung ist über alle bekannten Cloud-Hosting-Plattformen wie aws oder Azure verfügbar oder On Premise. Auch wenn die Software-Landschaft in großen Unternehmen meist eher fragmentiert ist, so lässt sich das Tool (via IFs, REST und swaggerAPI) gut einbetten. Was Entwicklerteams von komplexen Produkten wie Fahrzeugen zu empfehlen ist, wenn sie den (digitalen) Faden nicht verlieren wollen.

Codebeamer | ALM Lösung

Codebeamer ist eine Application Lifecycle Management (ALM) Plattform für die moderne Produkt- und Softwareentwicklung.

Tags:
  • Automobil
  • Application Lifecycle Management (ALM)
  • Digitaler Thread

Der Autor

Christoph Bräuchle Als General Manager des Application Lifecycle Management (ALM) Segments leitet Christoph Bräuchle PTC’s Lösungsportfolio für Agile Entwicklung und DevOps, Anforderungs- und Testmanagement, sowie modellbasiertes Systems Engineering.

Zu seinen vorherigen Aufgaben zählte als VP für Produktinnovationen das Management von PTC’s PLM Digital Thread Lösungen, wie rollenbasierten Apps für unternehmensweite Zusammenarbeit, sowie der Strategie für Digitale Additive Fertigung.

Mit seinem Diplom in Software-Engineering begann Christoph im Jahr 2000 seine Karriere im Technischen Support bei MKS, einem der Pioniere für integriertes Application Lifecycle Management in Esslingen, Deutschland. 2011 wurde MKS von PTC übernommen.

Als Schwerpunkt der agilen Entwicklung folgt Christoph das Ziel, Software-getriebene Innovation voranzutreiben, da diese die Einhaltung relevanter Prozess- und Sicherheitsstandards auf effiziente Weise gewährleisten kann. Dabei haben die Berücksichtigung und Weiterentwicklung des „Digital Thread“-Modells, um relevante Daten und Prozesse entlang des gesamten Produktlebenszyklus verwertbar zu verknüpfen, größte Bedeutung.